Misshandlungsverdacht in Grazer Spital - Kommission wird eingerichtet

Graz (APA) - Nach den bekannt gewordenen Misshandlungsvorwürfen im Grazer LKH Graz Süd-West Standort Süd, der ehemaligen Sigmund Freud Nerve...

Graz (APA) - Nach den bekannt gewordenen Misshandlungsvorwürfen im Grazer LKH Graz Süd-West Standort Süd, der ehemaligen Sigmund Freud Nervenklinik, hat das Land Steiermark am Dienstag bei einer Pressekonferenz eine unabhängige Kommission angekündigt. Diese werde in den kommenden Tagen zusammengestellt, soll die Vorfälle mitaufklären sowie Vorschläge für die Zukunft bringen, um Verfehlungen vorzubeugen.

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) entschuldigte sich im Namen des Landes Steiermark für die „zutiefst bedauernswerten Ereignisse“: „Diese Vorfälle dürfen nicht in einem Krankenhaus vorkommen und sie sind auch nicht zu entschuldigen.“ Er wolle eine lückenlose Aufklärung, um Abläufe und das System zu verbessern und solchen Vorfällen „keinen Platz mehr zu geben“.

Drexler schilderte, dass vier Pflegemitarbeiter des Spitals Patienten „in völliger inakzeptabler Weise behandelt“ haben - man könne von „quälen und misshandeln“ sprechen. Doch von den mehr als 18.000 Mitarbeitern der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes), von denen mehr als 8.000 in der Pflege arbeiten, seien „99,9 Prozent mit Empathie und Engagement 365 Tage im Jahr für Patienten da“, beonte der Landesrat. Er sei froh, dass die Vorfälle durch eine „beherzte Mitarbeiterin“ bekannt wurden. Die Anstaltsleitung habe binnen Stunden reagiert und sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Öffentlichkeit informiert.

Die Kommission werde unter anderem aus Fachleuten und unabhängigen Richtern bestehen. Wer genau darin zu finden sein wird, sei noch offen, so Drexler. Gespräche würden bereits geführt. Jedenfalls soll Pflegeombudsfrau Renate Skledar dabei sein. Die Experten sollen klären, wie es in dem Spital zu einer derartigen „Gruppendynamik“ kommen konnte. Laut dem ärztlichen Direktor des LKH-Standorts, Michael Lehofer, dürften die Misshandlungen in den vergangenen vier bis fünf Monaten passiert sein, vorwiegend in der Nacht, wenn bestimmte Pfleger zusammen Dienst hatten.

Bisher haben sich sechs Patienten mit Beschwerden beim Qualitätsmanagement der KAGes gemeldet, zwei davon am Dienstag, sagte KAGes-Vorstand Karlheinz Tscheliessnigg. Lehofer aber davon aus, dass es weitere Betroffene gibt, die sich noch nicht gemeldet haben. Die Alterspsychiatrie am LKH-Standort Süd besteht aus vier Stationen mit zusammen etwa 110 Betten. Sie sind etwa zu 80 Prozent belegt. 23 Ärzte und 84 Pfleger sind für die Patienten zuständig. Damit „übererfülle“ man die gesetzlichen Vorschriften um zehn Prozent. Nachts seien pro Station drei Mitarbeiter im Dienst sowie ein Journalbereitschaftsdienst. Damit ist man laut Lehofer ebenfalls in der vorgeschriebenen Norm. Er betonte, dass es sich um Fehlverhalten der Pfleger handelte und nicht um einen Personalmangel. Drexler unterstrich: „Ich sehe überhaupt kein Systemversagen. Insgesamt ist dieses Spital ein exzellentes Krankenhaus.“

Tscheliessnigg schilderte, dass die Hauptbeschuldigte nicht zur Befragung durch ihre Vorgesetzten erschienen war. Sehr wohl aber zwei andere beschuldigte Mitarbeiter, die die Misshandlungen auch gestanden hätten. Alle drei wurden gekündigt. Eine vierte Pflegerin wurde versetzt. Bei ihr war die Beweislage laut der Rechtsabteilung der KAGes „zu dünn“, sagte der Vorstand. Eine Patientin hatte ihre Aussagen zurückgezogen. Nichtsdestotrotz ermittle aber die Staatsanwaltschaft.

Vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass die vier Pfleger betagte Frauen und Männer misshandelt haben sollen. Sowohl von verbalen als auch von körperlichen Angriffen ist in einer entsprechenden Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Graz zu lesen. Eine Mitarbeiterin, die offenbar selbst verbalen Attacken ausgesetzt war, hatte die Vorfälle der Spitalsleitung gemeldet. Die Kriminalpolizei wurde bereits mit den Ermittlungen betraut.


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