Raubüberfall in Kufstein: Fünf Burschen vor Gericht

Wegen versuchten Mordes und versuchten schweren Raubes standen gestern fünf Angeklagte in Innsbruck vor Gericht.

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Leute abziehen – also sich vor mehr oder weniger gezielt ausgewählten Passanten aufbauen und sie bedrohen, um so an Geld, Drogen oder Zigaretten zu kommen. Das war es, wo­rauf sich jene fünf Burschen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren am späten Abend des 17. März in Kufstein verständigt hatten. Gestern mussten sie sich im Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes in Innsbruck wegen des Verbrechens des versuchten schweren Raubes und des versuchten Mordes verantworten.

Denn in jener Nacht blieb es nicht beim Bedrohen und Einschüchtern. Die fünf Jugendlichen – ein russischer, zwei österreichische Staatsbürger und zwei Kosovaren – lauerten ihren potenziellen Opfern in einer dunklen Ecke im Bereich des so genannten Zeller Steges beim Kufsteiner Bahnhof auf. Während sie eine Gruppe unbehelligt ziehen ließen, pickten sie bei einer anderen einen Jugendlichen heraus und verlangten von ihm „Tschick“. Als dieser seine Taschen leerte und dabei keine Zigaretten zum Vorschein kamen, ließen sie auch ihn schließlich weitergehen.

Ein Glück, das wenig später gegen 22.45 Uhr ein 19-jähriger Einheimischer nicht hatte. Er sei gerade unterwegs zu einem bei Jugendlichen beliebten Lokal in Kufstein gewesen. Als er da so ging, habe er auf einmal Geräusche gehört und das Gefühl gehabt, beobachtet zu werden. „Plötzlich ist einer von ihnen hinter einem Lkw hervorgesprungen und mit einem Schrei auf mich losgegangen“, erinnert sich das Opfer vor Richter Bruno Angerer und den Geschworenen. Der Täter sei mit einer Metallstange bewaffnet gewesen und habe ihm diese über den Kopf gezogen. „Ich bin zu Boden gegangen und plötzlich waren mehrere Leute um mich herum.“ Diese hätten ebenfalls auf ihn eingetreten und eingeschlagen – mit Stangen und Fäusten. Wehren habe er sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr können. „Ich habe nur gewartet, bis es vorbei ist“, sagte der 19-Jährige, der noch heute an den Folgen der schweren Verletzungen leidet.

Und diese seien durchaus lebensbedrohlich gewesen, wie die Gutachterin der Gerichtsmedizin anschließend erläuterte. Das Opfer erlitt einen mehrfachen Bruch im hinteren Schädelbereich, Einblutungen im Gehirn, Riss­quetschwunden und Blutergüsse am Körper. Drei Tage verbrachte er auf der Intensivstation, aufgrund der Einblutungen musste in einer Not-OP der Druck im Gehirn abgebaut werden. Es sei eine glückliche Fügung gewesen, dass das Opfer überlebt habe, zitierte der Staatsanwalt aus dem Bericht der Gerichtsmedizin.

Die fünf Burschen, drei von ihnen einschlägig vorbestraft, zeigten sich gestern teilweise geständig. Sie bestritten jedoch, in Kauf genommen zu haben, dass das Opfer sterben könnte. Der Prozess wurde gestern unterbrochen, für heute werden die Urteile erwartet.


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