Spanische Hilfsorganisation wendet Italien den Rücken zu

Madrid/Rom (APA/dpa) - Eine spanische Hilfsorganisation will eine im Mittelmeer gerettete Migrantin und zwei Leichen nicht nach Italien brin...

Madrid/Rom (APA/dpa) - Eine spanische Hilfsorganisation will eine im Mittelmeer gerettete Migrantin und zwei Leichen nicht nach Italien bringen. Proactiva Open Arms begründete die Entscheidung am Mittwoch mit der feindseligen Haltung der Regierung in Rom den privaten Seenotrettern gegenüber.

Der rechte Innenminister Matteo Salvini hatte die NGO am Dienstag der Lüge beschuldigt, nachdem sie Bilder des Fundorts der Überlebenden und der leblosen Körper einer Frau und eines Kindes bei einem zerstörten Schlauchboot veröffentlicht hatte.

Italien habe der NGO zwar einen Hafen zum Anlanden zugewiesen - sich allerdings nur bereit erklärt, sich um die Überlebende, nicht aber um die Leichen zu kümmern. Proactiva will die Frau nun nach Spanien bringen. Die Hilfsorganisation geht davon aus, dass die libysche Küstenwache die drei Migranten nach einer Rettung im Meer zurückgelassen hat. Ein Sprecher der libyschen Küstenwache sagte der dpa, es seien alle Migranten gerettet worden.

Eine n-tv-Reporterin, die an Bord eines Schiffs der libyschen Küstenwache unterwegs war, schilderte dramatische Eindrücke von einer Rettung am Montagnachmittag. Ihr sei ein kleines Mädchen in den Arm gedrückt worden, bei dem sie gedacht habe, es brauche dringend Wasser, damit es überlebt. Tatsächlich sei es aber längst tot gewesen, sagte Nadja Kriewald laut Mitteilung. So umstritten die Küstenwächter seien, habe die Besatzung alles versucht, um die Menschen zu retten. „Zum Teil sind die Kinder mit Mund-zu-Mund-Beatmung wiederbelebt worden.“

Die Evangelische Kirche in Deutschland, die ein auf Malta festgesetztes Aufklärungsflugzeug mitfinanziert, will sich für die private Seenotrettung stark machen und bringt den Vatikan ins Spiel. „Die „Moonbird“ (der Hilfsorganisation Sea-Watch) dürfte wieder über Seegebiet kreisen, wenn ein anderer Staat sie anfordert“, sagte der Vorsitzende der EKD-Kammer für Migration und Integration, Manfred Rekowski, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag). „Warum sollte also nicht zum Beispiel der Vatikan als völkerrechtlich souveräner Staat ein solches Ansinnen an die maltesischen Behörden stellen?“


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