„Die Gemeinden bringen ihre Flecken ins Trockene“

Die Aufregung ist groß, die Unklarheiten noch größer: Wurde im geplanten Retentionsraum in Stans ein Grundstück gewidmet?

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Von Eva-Maria Fankhauser

Stans, Schwaz –„Wir haben gemeint, uns trifft der Schlag“, sagt Franz Geisler, Schwazer Ortsbauernobmann. Bei Gesprächen zum Hochwasserschutz mit den Grundeigentümern trauten manche Bauern ihren Augen nicht, als sie die vorläufige Planung sahen. Auf Stanser Gemeindegebiet unterhalb des Tennisplatzes und vis-à-vis der Mausefalle in der Stanser Au seien Retentionsflächen geplant. „Das ist aber gar nicht möglich. Dort wurde gerade erst eine große Fläche gewidmet“, sagt Geisler.

Statt Grünfläche stehen an besagtem Grundstück gegenüber der Mausefalle nun Fahrzeuge. Eine Halle soll noch folgen. Die Bauverhandlung hat schon stattgefunden. Eine Retentionsfläche ist dort nicht mehr möglich. „Am Plan, der den Eigentümern gezeigt wurde, war aber eine eingezeichnet“, sagt Geisler. Er kann nur noch den Kopf schütteln. Denn für ihn zeichnet sich ein klares Bild: „Das ist ein Skandal. Die Gemeinden fordern von uns Flächen für den Hochwasserschutz und bringen ihre Flecken rechtzeitig ins Trockene und machen sie zu Geld.“ Der Beamte vom Land sei laut ihm aus allen Wolken gefallen, dass dort nicht mehr Freiland, sondern ein Gewerbegebiet gewidmet ist.

Sowohl der Stanser Bürgermeister Michael Huber als auch der Schwazer Stadtchef Hans Lintner erklären, dass in diesem Bereich keine Retentionsfläche angedacht sei. „Das geht gar nicht. Denn die geplanten Retentionsräume sollen gewidmete Flächen schützen“, sagt Lintner. Zudem gehe die richtige Planung erst los, wenn der Wasserverband steht. Auf die Frage, ob es denn ein politischer Schachzug war, das Grundstück noch schnell vorab an einen Unternehmer zu verkaufen (es gehörte nämlich der Stadtgemeinde Schwaz) und zu widmen – antwortet Lintner: „Nein, das war es nicht. Das war schon seit etwa acht Jahren geplant und mit der Gemeinde Stans verabredet. Umgesetzt wurde es eben erst vor Kurzem.“

Laut BM Huber seien im Stanser Gemeindegebiet in Richtung Jenbach Retentionsflächen geplant, aber nicht dort gegenüber der Mausefalle. Er glaubt, das sei ein Missverständnis: „Vielleicht wurde den Grundeigentümern die Ist-Darstellung gezeigt, also dass in diesem Gebiet derzeit bei einem Hochwasser alles unter Wasser stehen würde. Ich würde dort gar keine Retentionsfläche wollen, sag’ ich jetzt mal so.“ Immerhin seien in diesem Bereich auch ein Bauernhof und andere Gewerbeunternehmen angesiedelt. Zudem verlaufe dort der Moosbach, wo die Gemeinde bereits für Schutzmaßnahmen gesorgt habe.

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Ist die Fläche in der Stanser Au nun als Retentionsraum geplant oder nicht? Die Eigentümer sagen Ja. Die Gemeindechefs aus Stans und Schwaz Nein. Und das Land? Auf Anfrage beim Büro von LHStv. Josef Geisler, ob die Tiroler Tageszeitung Einsicht in die derzeitigen Pläne erhalten könne – gab es ein Nein. Es gebe keine konkreten Planungsunterlagen, die gezeigt werden könnten. Und was wurde dann den Grundeigentümern vorgelegt? Erste Entwürfe. Aber auch die könnten nicht gezeigt werden. Auch in der Abteilung Wasserwirtschaft blieb man eine Antwort schuldig. Abteilungsleiter Markus Federspiel sei in diesem bestimmten Fall „nicht im Detail informiert“ und könne nichts dazu sagen. „So konkret sind die Planungen jetzt noch nicht“, sagt Federspiel. Er bestätigt aber, dass das gewidmete Grundstück in der gelben Gefahrenzone liegt. Eine Stellungnahme aus wasserbaulicher Sicht müsse daher eingeholt worden sein – bei einer anderen Abteilung.

„Da weiß eine Hand nicht, was die andere tut“, ärgert sich Franz Geisler. Zudem stellt er klar, dass auf den Plänen, die den Grundeigentümern vom Land gezeigt wurden, geplante Schutzmaßnahmen abgebildet waren. „Da sieht man sogar eine Mauer“, sagt er.


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