Pseudo-Journale: Expertin sieht Problematik virulenter werden

Wien (APA) - Die Praxis, dass wissenschaftliche Publikation in größerem Umfang in dubiosen Fachjournalen auftauchen, wie internationale Medi...

Wien (APA) - Die Praxis, dass wissenschaftliche Publikation in größerem Umfang in dubiosen Fachjournalen auftauchen, wie internationale Medienrecherchen am Donnerstag zutage förderten, schätzt die Wissenschaftsforscherin Ulrike Felt als „riesen Thema, das kommen wird“, ein. Davon eher betroffen seien vermutlich stark unter Publikationsdruck stehende, weniger etablierte Wissenschafter und Jungforscher.

In den vergangenen Jahren seien sehr viele „rein elektronische Journale aus dem Boden gestampft worden“, die darum werben, wissenschaftliche Arbeiten einzureichen. Sie bekomme wöchentlich „zwei bis drei solche Angebote“, sagte die Wissenschafterin von der Universität Wien zur APA: „Es gibt eine unglaubliche Jagd nach Autoren.“ Außerdem hätten diese Journale teilweise Namen und Onlineaufmachungen, die jenen renommierter Fachzeitschriften sehr ähnlich seien, was auch zu Verwechslungen führen könne.

Gleichzeitig ist der Druck auf Wissenschafter groß, zählbare Resultate zu liefern. Es gebe scheinbar die Voraussetzungen für einen größeren Markt für dubiose wissenschaftliche Fachzeitschriften, wie ihn die Recherchen, an denen in Österreich auch die „Zeit im Bild 2“ und die Wochenzeitung „Falter“ beteiligt waren, skizzieren. Hier locke dann auch das Versprechen, dass Arbeiten - im Gegensatz zur Praxis in vielen etablierten Journalen - rasch und unkompliziert veröffentlicht werden, sagte Felt, die auch als Leiterin der Forschungsplattform Responsible Research and Innovation („Verantwortliche Forschung und Innovation“) in Academic Practice der Uni Wien tätig ist.

Bei Forschern mit viel Erfahrung sei das Problem vermutlich nicht so groß. Man könne aber nicht ausschließen, dass auch jemand „aus der oberen Qualitätsschicht“ etwa irrtümlich auf Angebote einsteige. Gefährdeter seien vermutlich Wissenschafter mit weniger Erfahrung oder solche, „die glauben, dass sie in die klassischen guten Journale nicht hineinkommen, weil die Hürde zu hoch ist“, so Felt.

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Der steigende Publikationsdruck habe vielleicht dazu geführt, dass „das System ein wenig an den Anschlag gekommen ist - daher erleben wir jetzt solche Phänomene“, sagte Felt. Angesichts solcher Entwicklungen brauche es vermutlich mehr und breiter geführte Diskussionen im Wissenschaftssystem, das sich in den vergangenen Jahren zunehmend an möglichst messbaren Kriterien orientiert.

~ WEB http://orf.at ~ APA342 2018-07-19/14:58


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