„Alexander‘s Feast“ in Kärnten: Musik besiegte schlechte Akustik

St. Andrä/Lavanttal (APA) - Etwas vom gewaltigen Eindruck, den die Zuhörer der Uraufführung von Georg Friedrich Händels „Alexander‘s Feast“ ...

St. Andrä/Lavanttal (APA) - Etwas vom gewaltigen Eindruck, den die Zuhörer der Uraufführung von Georg Friedrich Händels „Alexander‘s Feast“ 1736 bekamen, hat auch das Publikum des Carinthischen Sommers am Samstag in der Basilika in St. Andrä im Lavanttal erlebt. Dirigent Heinz Ferlesch schöpfte mit dem Chor Ad Libitum aus dem Vollen und bekam mit den Solisten Cornelia Horak, Johannes Bamberger und Matthias Helm viel Applaus.

Die dynamische und tonale Spannweite des musikalischen Geschehens ist beeindruckend: Wenn rund 40 Sängerinnen und Sänger gegen Ende des ersten Teils wiederholt den Schlüsselvers dieser Ode an die Musik in den Kirchenraum rufen: „So Love was crown‘d, but Music won the cause“ (So wurde die Liebe gekrönt, die Musik aber trug den Sieg davon), dann geht Händels Rechnung immer noch auf. Bis in die letzte Reihe spürt man die Ergriffenheit.

Das barocke Textgemisch mit unzähligen, heute kaum noch verständlichen Anspielungen, verblasst für den modernen Zuhörer hinter der großartigen Musik. Die Sprünge in der von Newburgh Hamilton nach einer Ode von John Dryden dramatisierten Handlung sind auch nicht immer nachvollziehbar: Der über die Perser siegreiche Alexander der Große feiert den Triumph. Timotheus besingt ihn und lässt dazu der Reihe nach etliche antike Götter auftreten. Alexander geht durch ein Wechselbad der Gefühle aus Größenwahn, Mitleid und schließlich Liebe zu seiner Frau Thais. Dann kommt plötzlich die erst 200 n. Chr. geborene Cäcilia, die Schutzheilige der Musik, ins Spiel und triumphiert sogar über die Liebe. Im zweiten Teil geht es zunächst zum antiken Alexander zurück, man sieht ihm und seiner Gattin dabei zu, wie sie Persepolis, das plötzlich zu Troja wird, niederbrennen, ehe Cäcilia wieder die Oberhand gewinnt und einen Engel auf die Erde herunter zieht - die Macht der Musik eben.

Dazu traf das ebenfalls von Heinz Ferlesch mitbegründete Originalklangensemble Barucco (so wie der Chor in Niederösterreich beheimatet) perfekt die barocke Tonsprache. Man merkte, dass Ferlesch ein Profi im Bespielen problematischer Kirchenräume ist. Wie die Musiker der extrem stark hallenden Akustik der Basilika in St. Andrä ein einigermaßen transparentes Klangbild abrangen, ist bewundernswert, verhinderte aber nicht, dass einzelne Instrumente kaum zu hören waren, wobei die Flöten davon besonders betroffen waren.

Unter den Gesangssolisten ragte die Sopranistin Cornelia Horak heraus. Tonsicher und mit großer Verve gestaltete sie vor allem die Arien. Selbst das hingehauchte Seufzen Alexanders an der Brust seiner geliebten Thais war überall im Raum präsent. Tenor Johannes Bamberger und Bass Matthias Helm sind trotz ihrer Jugend erfahren im barocken Repertoire. Bewegliche Stimmen, die perfekt mit dem begleitenden Orchester harmonierten. Insgesamt ein großer Abend, der heftig bejubelt wurde, sich allerdings einen besseren Aufführungsort verdient hätte. Zur problematischen Akustik in der Basilika kommt noch, dass sie direkt an der Bundesstraße steht. So mischte sich in den musikalischen „Donner“ das Knattern des einen oder anderen Motorrads einer amerikanischen Kultmarke. Eine eher unerwünschte tonale Kontamination.

(S E R V I C E - www.carinthischersommer.at)


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