Mob-Angriff in Indien: Polizisten kümmerten sich zuerst um Kühe

Nach dem Angriff auf einen 28-jährigen Muslim kümmerten sich die Polizisten zunächst um dessen Kühe. Bei der Klinik angekommen, war der Mann tot.

Kühe gelten der hinduistischen Mehrheit in Indien als heilig. (Symbolbild)
© Fuisz

Jaipur – Nach einem Angriff eines Mobs in Indien auf einen Muslim hat die Polizei sich zuerst um die Kühe des Opfers gekümmert, ehe sie den Mann ins Krankenhaus brachte. Das Opfer starb. Der Innenminister des nordindischen Bundesstaates Rajasthan, Gulab Singh Kataria, bestätigte am Dienstag in einer Pressekonferenz entsprechende Medienberichte.

Zuerst Kühe versorgt, dann Opfer ins Krankenhaus gebracht

Demnach brauchten die Polizisten drei Stunden, um den schwer verletzten 28-Jährigen in ein nur 20 Minuten entferntes Krankenhaus zu bringen. Unterwegs brachten sie ihn laut Kataria zunächst auf die Wache, wuschen ihn und gaben ihm Tee. Dann brachten sie die Kühe in eine Auffangstation. Als sie schließlich die Klinik erreichten, war der Mann tot. Ein Polizist sei suspendiert worden, sagte Kataria.

Opfer war beim Rindertreiben angegriffen worden

Das Opfer hatte am Freitagabend in einem Dorf zusammen mit einem Begleiter zwei Rinder vor sich her getrieben, als eine Gruppe aufgebrachter Hindus sie angriff. Diese warfen den Muslimen vor, die Kühe zum Schlachten zu führen. Sie prügelten auf den 28-Jährigen ein, der zweite Mann konnte entkommen.

Kühe gelten der hinduistischen Mehrheit in Indien als heilig. Das Schlachten der Tiere ist in den meisten Bundesstaaten verboten. Angriffe radikaler Hindus auf angebliche Kuhschmuggler kommen immer wieder vor – die Opfer sind meist Muslime. Zuletzt gab es in Indien zudem eine Reihe von Lynchmorden durch aufgebrachte Mobs auf Fremde wegen Gerüchten über Kindesentführer, die sich über den Messenger WhatsApp verbreiten. Zuletzt wurde am vergangenen Donnerstag eine Frau in einem Dorf in Zentralindien zu Tode geprügelt. (APA/dpa)

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