Die Erde glüht: Brände, Hitzetote und bis zu 32 Grad in Sibirien

Egal ob Europa, Afrika, Asien oder Amerika – eine Hitzewelle hat die Welt derzeit fest im Griff. Brände fressen sich durch die Wälder. Dutzende Menschen sterben. In Sibiren ist es 20 Grad heißer als sonst, auch Skandinavien schwitzt. Ein Überblick.

Ungewöhnliche Bilder aus Schweden: Für normal herrschen im Juli recht kühles Klima. Derzeit sonnen sich die Skandinavier aber bei Temperaturen jenseits der 30 Grad. Aber all der Sonnenschein hat auch seine Schattenseiten. Im ganzen Land wüten Waldbrände.
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Innsbruck – Der blaue Himmel und die Sonnenstrahlen trügen dieser Tage über eine unschöne Wahrheit hinweg: Auf dem ganzen Globus haben die Höchsttemperaturen ein bedenkliches Niveau erreicht. Die Folgen sind Feuerinfernos, ruinierte Ernten und der Tod von vielen Menschen.

Keine extremen Zustände in Österreich

Die Alpen erweisen sich in diesen Tagen wie eine Klimaanlage für ganz Österreich. Während vor allem die Nordhemisphäre von Temperaturrekorden, Trockenheit und Waldbränden heimgesucht wird, erlebt die Alpenrepublik einen vergleichsmäßig humanen Sommer.

So eine lange Hitzewelle kann man nur noch als extrem und sehr, sehr gefährlich bezeichnen.“
Wetterexperte Dominik Jung, Portal Wetter.net

Aber auch im Süden ist die Lage verheerend. Griechenland erlebt seit Montag die schlimmste Feuerkatastrophe seit mehr als zehn Jahren. In Urlaubsregionen östlich und westlich von Athen sind mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen. Sogar Sibirien hat derzeit mit einer Hitzewelle zu kämpfen. Im Osten des Landes, eigentlich bekannt für Kälterekorde, herrschten in den letzten Wochen zeitweise 32 Grad – das sind 20 Grad mehr als normalerweise. Im Nahen Osten, im Iran und Irak herrschte zeitweise lebensfeindliche Hitze von mehr als 50 Grad. Und es geht sogar noch heißer: An einer Wetterstation in der Sahara in Algerien zeigte das Thermometer 51,3 Grad – eine höchsten je aufgezeichneten Temperaturen in Afrika.

Ein Bild, wie aus einem Horrorfilm: In Griechenland haben die außer Kontrolle geratenen Waldbrände nahe Athen mindestens 80 Menschen das Leben gekostet
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Die Wetterturbulenzen haben auch andere Teile der Erde fest im Griff – teils mit dramatischen Folgen:

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DEUTSCHLAND:

36 Grad und es wird noch heißer – unsere deutschen Nachbarn erleben derzeit einen wahren Hochsommer. Auch nachts kühlt es nicht ab, es herrschen subtropische Temperaturen um die 23 Grad. Wer in der Ostsee nach Abkühlung sucht, dem drohen tödliche Infektionen. Das Gesundheitsamt warn vor potenziell tödlichen Bakterien, die sich durch die steigende Wassertemperatur vermehren würden und schwere Wundinfektionen auslösen können.

Nach der Sperrung wegen eines Hitzeschadens hoben vom Flughafen in Hannover ab Mittwochmorgen wieder Flieger ab.
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Mitten in der Urlaubszeit musste von Dienstag auf Mittwoch auch der Flughafen von Hannover wegen Hitzeschäden auf der Start- und Landebahn für rund neun Stunden gesperrt werden. Drei Platten waren ob der Hitze durchgebrochen bzw. aufgehoben worden. 41 Abflüge und 44 Landungen waren betroffen.

Auch auf Autobahnen steigt die Gefahr sogenannter „Blow-ups“ (Aufwölbungen), weshalb teilweise hitzebedingte Geschwindigkeitsbeschränkungen herrschen.

Den deutschen Bauern drohen indes enorme Ernteausfälle. Es werden Schäden in Milliardenhöhe erwartet. In Osnabrück bittet die Stadt die Bürger, beim Wässern der Bäume mitzuhelfen, auch das Gras für Milchkühe wird ob der Trockenheit knapp.

SKANDINAVIEN:

In Norwegen erleben die Menschen den trockensten Sommer seit 1947. Und nicht nur in Griechenland, auch in Schweden und Finnland haben Feuerwehren mit Waldbränden zu kämpfen.

Seit mehr als einem Monat hat es in Schweden nicht mehr geregnet. Das bleibt auch für die Tierwelt nicht ohne Folgen.
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In Schweden, eigentlich bekannt für Kälte und Schnee, wüten nach mehr als einer Woche immer noch rund 25 Feuer. Der Qualm sei sogar aus dem Weltall zu sehen, erklärte die europäische Weltraumbehörde ESA. Das Land bittet um internationale Hilfe – insgesamt sind je sieben Löschflugzeuge und Helikopter, 60 Fahrzeuge und 340 Feuerwehrleute aus neun Ländern geschickt worden – darunter auch aus Österreich. Der schwedische Wetterdienst prophezeit den heißesten Juli seit mindestens 260 Jahren.

An der finnischen Wetterstation Kevo, ganz oben im Norden von Finnland, wurden am Mittwoch 32,1 Grad gemessen. Zum Vergleich: Zur selben Zeit hatte es im wärmsten Ort Deutschlands 29,5 Grad. Die Wassertemperaturen liegen bei gut 22 Grad – 12 bis 16 Grad sind im Juli „normal“.

Oft mehr Hitze- als Verkehrstote in Österreich

Vergangenes Jahr dürfte es laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) mit einer errechneten Übersterblichkeit von 586 Toten durch die Sommerhitze mehr Opfer als im Straßenverkehr (413 Verkehrstote im Jahr 2017) gegeben haben. Deren Berechnungen zufolge sind in den Sommern von 2013 bis 2017 je zwischen null und 1122 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Das berichtet der „ Falter “ in seiner neuen Ausgabe.

Die Berechnungen haben eine Haken: Epidemiologisch spricht alles dafür, dass es so ist – ähnlich wie bei den berechneten Todesfällen für Influenza-Epidemien im Winter –, doch den einzelnen Todesfall kann man dadurch nicht ursächlich begründen. Als medizinische Todesursache tauchen Kreislaufversagen etc. auf.

GROSSBRITANNIEN:

Auch das Vereinigte Königreich wird seit Wochen von anhaltender Trockenheit geplagt. Bei Temperaturen von bis zu 38 Grad warnen britische Meteorologen die Bürger, in ihren Häusern zu bleiben und sämtliche Türen und Fenster zu schließen und Jalousien und Vorhänge zuzuziehen. In Newcastle versank ein 24-Jähriger auf dem Weg zum Supermarkt im geschmolzenen Asphalt. Zudem trat das Gartenschlauchverbot wieder in Kraft. Wer sich nicht daran hält, muss bis zu 1000 Pfund Strafe zahlen. Auch private Swimming-Pools oder Planschbecken für Kinder dürfen nicht mehr befüllt werden. Gießkannen sind aber weiterhin erlaubt.

In London warnt die Feuerwehr vor achtlos weggeworfenen Zigaretten und Grillereien in Parks. Die Furcht vor Waldbränden ist auch hier groß, zumal die Löschkräfte bereits mit gut 800 Wiesenbränden zu kämpfen haben. Mitte Juli waren etwa im Osten Londons 100 Hektar Gras in Brand geraten.

Viele Menschen genießen es, in der Sonne zu brutzeln - derzeit sogar die Briten.
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JAPAN:

Auch außerhalb Europas werden Rekordwerte gemessen. So hat eine beispiellose Hitzewelle in Japan bereits 80 Menschen das Leben gekostet. Seit Anfang Juli seien zudem mehr als 35.000 Menschen in Krankenhäuser eingeliefert worden, teilte die Katastrophenschutzbehörde FDMA mit. Allein in der vergangenen Woche starben demnach mindestens 65 Menschen an einem Hitzschlag.

Nach sintflutartigen Regenfällen, bei denen mehr als 200 Menschen starben, überzieht Japan gerade eine enorme Hitzewelle, die ebenfalls Dutzenden Menschen das Leben kostet. Mehrere Städte in Japan melden Temperaturen über 40 Grad.
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Vielerorts erreichten die Temperaturen vergangene Woche 35 bis 40 Grad Celsius im Schatten. Am Montag wurde in der Stadt Kumagaya nordwestlich von Tokio mit 41,1 Grad Celsius ein neuer nationaler Temperaturrekord gemessen. Zudem ist die Luftfeuchtigkeit hoch bis sehr hoch (50 bis 90 Prozent).

Der japanische Wetterdienst erkennt die Hitzewelle als Naturkatastrophe an. Die aktuelle Hitzewelle folgt Rekordniederschlägen, die Teile von West- und Zentraljapan verwüsteten und bei denen mehr als 220 Menschen starben.

NORDAMERIKA:

Montreal in Kanada erreichte Anfang diesen Monats die höchsten Temperaturen seit 147 Jahren. Die Hitzewelle forderte dort den Tod von 70 Menschen, vor allem durch Kreislauferkrankungen. Auch in der kanadischen Provinz Quebec starben 33 Menschen.

Schwere Waldbrände toben widerrum an der Westküste der USA. Der weltberühmte Yosemite-Nationalpark in Kalifornien musste geschlossen werden – mitten in der Hauptreisezeit. Mindestens bis Sonntag soll die Sperre andauern – es ist das erste Mal seit 1990, dass für das Yosemite-Tal eine solche Maßnahme getroffen wurde. Trotz intensiver Löscharbeiten der Feuerwehr ist das sogenannte Ferguson-Feuer in den kalifornischen Wäldern bislang erst zu 25 Prozent eingedämmt. Die Flammen haben mehr als 14.800 Hektar Wald zerstört, wie die Feuerwehr mitteilte. Auch hier sorgt andauernde Hitze dafür, dass die Arbeit der Löschkräfte schwierig bleibt. (tst, APA, dpa)

Der Park war in dichten Rauch gehüllt.
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