Feuerinferno nahe Athen: 80 Tote, Suche nach Opfern fortgesetzt

Mindestens 80 Menschen sind nach neuesten Angaben bei den Bränden ums Leben gekommen, Dutzende Überlebende suchen ihre Angehörigen.

Rettungskräfte suchen im zerstörten Ort Mati nach weiteren Brandopfern.
© Reuters/Konstantinidis

Athen – Bei den verheerenden Bränden in Griechenland sind mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen. Allerdings gebe es noch Dutzende Vermisste. Die Suche nach diesen Menschen dauere an, teilte eine Sprecherin der griechischen Feuerwehr am Mittwochmorgen mit.

Die meisten Brände unter Kontrolle

Die meisten Brände, die bewohnte Gebiete bedrohten, seien unter Kontrolle. Lediglich auf dem Berg Gerania im Westen Athens tobt ein Brand auf dem Gipfel. Zyprische Feuerwehrleute und zwei Löschflugzeuge aus Italien waren am Dienstagabend als Teil der EU-Hilfe nach Griechenland gekommen und sind bei den Löscharbeiten dabei. Am Nachmittag wird auch ein rumänisches Flugzeug erwartet, hieß es.

„Wir sind bereit, falls es von der griechischen Seite beantragt werden sollte, weitere Hilfe zu leisten“, erklärte am späten Dienstagabend der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Christos Stylianidis im griechischen Fernsehen. Er war in Athen eingetroffen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Stylianidis wertete die verheerenden Brände als Folge des Klimawandels. „Der Klimawandel ist kein „Fake News““, sagte Stylianidis. Das sei daran zu erkennen, dass dieses Jahr schwere Brände nicht nur im Süden, sondern auch im Norden Europas wie beispielsweise in Schweden toben.

Dutzende Vermisste, Griechenland in Staatstrauer

Die Suche nach möglichen weiteren Opfern wird indes fortgesetzt. Es wurde damit gerechnet, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt. Bei der Feuerwehr gingen nach Angaben von Sprecherin Stavroula Maliri dutzende Anrufe von Menschen ein, die ihre Angehörigen suchten. Verwandte der Vermissten richteten außerdem ein Internet-Portal mit Fotos der Menschen ein, deren Schicksal unbekannt ist.

Insgesamt 187 Menschen wurden nach neuen amtlichen Angaben mit zum Teil schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. 82 von ihnen wurden dort am Dienstagabend weiterhin behandelt, unter ihnen ein Dutzend Kinder.

Hunderte Experten begannen am Mittwoch in den Unglücksorten damit, das Ausmaß der Schäden zu bewerten. Der Brand im Badeort Mati nordöstlich von Athen war am Dienstag eingedämmt, doch im westlich der Hauptstadt gelegenen Küstenort Kineta wütete ein Feuer, das zahlreiche Häuser und Autos zerstörte. Innenminister Panos Skourletis sagte am Dienstagabend, das Löschen dieses Feuers habe jetzt Vorrang. Feuerwehrleute bekämpften am Mittwoch aber auch Brandherde in anderen Gebieten.

Die Suche nach Opfern und vermissten Menschen dauere an, wie eine Sprecherin der Feuerwehr mitteilte.
© Reuters/Konstantinidis

Ermittlungen zu den Brandursachen laufen

Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte wegen der Brände am Dienstag eine Bosnien-Reise abgesagt. „Heute ist Griechenland in Trauer“, sagte er in einer Fernsehansprache und rief eine dreitägige Staatstrauer bis Freitag aus. Das Finanzministerium sagte den betroffenen Regionen 20 Millionen Euro Soforthilfe zu.

Die Staatsanwaltschaft am Obersten Gerichtshof leitete unterdessen Ermittlungen zu den Ursachen der Brände ein. Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos hatte berichtet, in der Region Attika seien gleichzeitig 15 Brände an drei verschiedenen Fronten ausgebrochen. Tsipras nannte diese Gleichzeitigkeit „besorgniserregend“. In den Medien wurde über einen kriminellen Hintergrund spekuliert: Spekulanten könnten die Brände gelegt haben, um die abgebrannten Ländereien später in Bauland für die Errichtung von Ferienhäusern und Hotels umzuwidmen. (APA/AFP/dpa)


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