Mehr als 150 Tote bei IS-Anschlagsserie im Süden Syriens

Damaskus (APA/AFP) - Bei einer konzertierten Anschlagsserie auf die Regierungstruppen im Süden Syriens haben Attentäter der Jihadistenmiliz ...

Damaskus (APA/AFP) - Bei einer konzertierten Anschlagsserie auf die Regierungstruppen im Süden Syriens haben Attentäter der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach Angaben von Aktivisten mehr als 150 Menschen in den Tod gerissen.

Insgesamt 156 Menschen seien am Mittwoch in der Provinzstadt Sweida (Al-Suwaida) und umliegenden Dörfern getötet worden, darunter 62 Zivilisten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Es war einer der folgenschwersten IS-Angriffe seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs 2011.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle sprengten sich allein in der Stadt Sweida vier Attentäter in die Luft. Später hätten weitere Selbstmordattentäter und Kämpfer Dörfer nördlich und östlich der Provinzhauptstadt gestürmt. Demnach wurden 62 Zivilisten und 94 Kämpfer der Regierungstruppen getötet. Die Jihadisten hätten ihrerseits 30 Kämpfer verloren. Für Medien sind die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle mit Sitz in London kaum zu überprüfen.

Die staatliche Nachrichtenagentur SANA schrieb, die Angriffe in Sweida seien ein Versuch, den Druck von den IS-Kämpfern in der Nachbarprovinz Daraa zu nehmen, „die ihrem unvermeidlichen Ende entgegengehen“. Die rund tausend IS-Kämpfer in der Region westlich von Sweida sind seit Tagen heftigen Luftangriffen russischer und syrischer Kampfflugzeuge ausgesetzt. Auch am Mittwoch wurden neue Angriffe gemeldet.

Die meisten getöteten Kämpfer auf Seiten der Regierung waren laut Beobachtungsstelle Einwohner, die zur Verteidigung ihrer Dörfer zu den Waffen gegriffen hatten. Die Bevölkerung von Sweida gehört zumeist zur Minderheit der Drusen, die sich weitgehend aus dem Bürgerkrieg herausgehalten hat.

Die IS-Miliz reklamierte die Anschläge auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram für sich. „Soldaten des Kaliphats“ hätten in Sweida Kontrollposten und Gebäude der Regierung angegriffen und ihre Sprengstoffgürtel gezündet, hieß es.

Syrische Staatsmedien bestätigten, dass es Tote und Verletzte in Sweida und umliegenden Dörfern gegeben habe, nannten aber keine Zahl. Die Armee startete demnach eine Gegenoffensive, um die IS-Kämpfer zurückzudrängen.

Die Truppen von Machthaber Bashar al-Assad haben die IS-Miliz in den vergangenen Monaten aus ihren Hochburgen im Osten des Landes vertrieben. Doch verfügt die Extremistengruppe weiter über Rückzugsgebiete in der Wüste, von wo sie immer wieder Anschläge auf die Regierungstruppen verübt. In der Provinz Daraa gehen nun die Assad-Truppen gegen die Gruppe Jaish Khaled bin al-Walid vor, die sich zur IS-Miliz bekannt hat.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden bei der Offensive in Daraa seit dem 19. Juli mindestens 41 Zivilisten, 67 Jihadisten und 49 Kämpfer der Regierungstruppen getötet. Am Dienstag meldete Israel den Abschuss eines syrischen Kampfflugzeugs im israelischen Luftraum. Damaskus warf dem Nachbarn dagegen vor, einen Kampfjet über syrischem Territorium beschossen zu haben, der Luftangriffe auf die Jihadisten geflogen sei.

In den vergangenen Wochen war es den Truppen Assads mit einer Mischung aus Verhandlungen und militärischem Druck gelungen, die meisten Rebellengebiete in Daraa und der angrenzenden Provinz Quneitra wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Rückeroberung von Daraa ist für Assad von großer symbolischer Bedeutung, da dort im März 2011 die Proteste gegen ihn begonnen hatten, die sich später zum Bürgerkrieg ausweiteten.


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