Flug verspätet oder gestrichen: Was den Betroffenen zusteht

Sommerzeit ist Reisezeit ist Zeit für Flugverspätungen. Wird ein Flug annulliert oder kommt mit Verspätung ans Ziel, stehen den Passagieren bis zu 600 Euro Entschädigung zu. Schlechte Nachrichten gibt es hingegen für Betroffene des Ryanair-Streiks.

Da der Streik als "außergewöhnlicher Umstand" gilt, steht Ryanair-Passagieren keine finanzielle Entschädigung zu.
© AFP

Innsbruck — „Cancelled — annulliert": Es sind die Worte, die jedem Flugreisenden die Haare zu Berge stehen lassen. Aktuell sorgen vor allem reihenweise Flugausfälle bei Europas größtem Billigflieger Ryanair für Unmut bei den Passagieren. An die 500 Flüge ließ die Laudamotion-Mutter allein am Mittwoch aufgrund eines zweitägigen Streiks des Kabinenpersonals ausfallen — viele davon kurzfristig.

Ryanair hatte versichert, alle 50 000 betroffenen Passagiere seien rechtzeitig umgebucht oder hätten den Preis des Flugtickets zurückerhalten. Darüber hinaus will die Airline für Flugausfälle und -verspätungen infolge des aktuellen Streiks aber keine Entschädigungen zahlen — und ist dazu rechtlich auch nicht verpflichtet: Im Allgemeinen zählt Streik nämlich als „außergewöhnlicher Umstand", für den die Fluglinie nach EU-Recht grundsätzlich nicht finanziell zur Verantwortung gezogen werden kann. Fluggasthelfer-Portale kritisieren dagegen die Haltung der Airline als inakzeptabel.

Die EU-Verordnung für Fluggastrechte schreibt jedoch vor, dass die betroffenen Fluggäste Anspruch auf angemessene Versorgungsleistungen und ersatzweisen Transport zum nächstmöglichen Zeitpunkt haben.

Bis zu 600 Euro Entschädigung

Ist ein Flugausfall oder eine Verspätung hingegen durch andere Umstände bedingt, haben Betroffene weit bessere Karten. Zwar versuchen Airlines immer wieder, die Passagiere mit Gutscheinen abzuspeisen. Dabei stehen Betroffenen unter anderem Entschädigungszahlungen von bis zu 600 Euro zu. Geregelt ist dies durch die EU-Fluggastrechteverordnung (Nr. 261/2004) für Flugverspätungen, Annullierungen, Nichtbeförderung, Flugüberbuchungen und Downgrades (Herabstufung).

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Wird ein Flug gestrichen, steht den Passagieren laut EU-Recht die Wahl zu, ob sie die Ticketkosten erstattet bekommen, sich auf anderem Weg ans gewünschte Ziel bringen lassen oder zum Ausgangsort zurücktransportiert werden wollen. Fluglinien bieten die verschiedenen Optionen oft jedoch nicht an und wollen lediglich den Ticketpreis zurückerstatten.

Zudem haben Passagiere Anspruch auf finanzielle Entschädigung, wenn ein Flug mindestens drei Stunden verspätet am Endziel ankommt. Die Höhe der sogenannten Ausgleichszahlung hängt dabei von der jeweils gebuchten Strecke ab: Laut EU-Recht gibt es für einen Kurzstreckenflug (bis zu 1500 km) pauschal 250 Euro Entschädigung, bis zu 3500 Kilometer sind es 400 Euro, für längere Flüge mit Ziel außerhalb der EU sind es 600 Euro. Zusatzkosten für eine nötige Übernachtung und Verpflegung sind ebenso von der Airline zu tragen.

Eine Kürzung der Ausgleichszahlung bei Flügen von über 3500 km um 50 Prozent ist möglich, wenn die neue Ankunftszeit nicht mehr als vier Stunden hinter der planmäßigen Ankunftszeit liegt.

Keine Entschädigung bei Unwettern

Keine Ausgleichszahlung muss dagegen geleistet werden, wenn die Fluglinie nachweisen kann, dass die Verspätung auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen ist. Hierzu zählen etwa schlechte Wetterbedingungen, politische Instabilität oder eben Streiks. Technische Defekte stellen hingegen in der Regel keine außergewöhnlichen Umstände und dienen der Airline daher nicht als Rechtfertigung, keine Ausgleichszahlung zu leisten.

Alle Passagier- und Fluggastrechte sowie Musterbriefe, die die Fluglinie auf Ihre Entschädigungsansprüche hinweisen, sind auf der Homepage der 2015 gegründeten Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (APF) unter www.passagier.at abrufbar. Sofern eine Einigung mit der Fluglinie nicht möglich ist, bietet die APF Verbrauchern zudem kostenlose und provisionsfreie Hilfe an.

Wer sich erst gar nicht selbst mit der Airline herumärgern will und dafür eine niedrigere Auszahlung in Kauf nimmt, kann sich an spezialisierte Anbieter, sogenannte Fluggasthelfer-Portale, wenden. Diese Entschädigungseintreiber verdienen an verspäteten oder ausgefallenen Flügen in Form von Provisionen mit. (ema)


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