„Hotel Artemis“: Die gute Seele für die Bösen

Jodie Foster ist als Ärztin in „Hotel Artemis“ seit Langem wieder im Kino zu sehen.

„The Nurse“ (Jodie Foster) verarztet die Verbrecher.
© Constantin Film

Innsbruck –Der Handlungsort macht oft den halben Film aus. Weite Landschaften, urbane Häuserschluchten oder berühmte Sehenswürdigkeiten geben vielen Film-Geschichten nicht nur die Hintergrundbilder, sondern definieren auch gleich die Figuren darin. In „Hotel Artemis“ ist das titelgebende Etablissement das einzige, begrenzte Setting und Körper und Herz des Films zugleich. Das 20er-Jahre-Hotel dient im L.A. des Jahres 2028 als geheime Unterwelt-Klinik. Gangster, die brav ihre Mitgliedsgebühr entrichtet haben, werden dort wieder zusammengeflickt. Die Zimmer heißen Waikiki, Honululu, Niagara oder Acapulco und sind auch gleich die Decknamen der Patienten. Die Hausregeln sind einfach: „Members only! Beschimpfen des Personals verboten! Mitbringen von Waffen verboten! Töten anderer Patienten verboten!“

Chefin und Seele des Artemis ist eine ehemalige Ärztin ohne Approbation, von allen nur „The Nurse“ genannt. Keine Geringere als Jodie Foster verkörpert, mit arg alt geschminktem Look, diese zierliche, seltsame Lebensretterin und kehrt mit dieser Rolle nach einigen Jahren wieder auf die Leinwand zurück. Ihre schrullige Figur leidet unter Angst vor der Außenwelt und hat sich nicht nur ein Alkoholproblem, sondern auch mehr als nur ein bisschen Zynismus zugelegt. Mit Everest steht ihr ein Schrank von einem Pfleger zur Seite (James-Bond-Bösewicht Dave Bautista), der jeden seelenruhig auf seine Funktion und die Regeln hinweist – „Besuchszeiten sind nie“ – und ihnen, wenn nötig, Nachdruck verleiht.

Nach einem missglückten Banküberfall retten sich zwei Brüder ins Artemis. Einer checkt schwer verletzt in der Honolulu Suite ein und braucht eine neue Leber aus dem 3D-Drucker. Der andere wird zu Waikiki und ist gewissermaßen die sympathische Identifikationsfigur des Films, gespielt von Sterling K. Brown. Bald trifft er auf zwei weitere Hotelgäste: seine alte Bekannte Nice, eine gefährliche Assassinin (Sofia Boutella aus „Star Trek: Beyond“) und den arroganten, mies gelaunten Waffenhändler Acapulco (Charlie Day). Die Ziele dieser Figuren kommen sich in die Quere, als sich der mächtige Unterwelt-Boss ankündigt, dem das Hotel gehört und der als „The Wolfking“ firmiert. In dieser Rolle darf Jeff Goldblum seine natürliche Lächerlichkeit zur coolen Bedrohlichkeit umfunktionieren.

„Hotel Artemis“ folgt dem Drama-Prinzip eines Kammerspiels, an einem Ort in Beinahe-Echtzeit auf eine Nacht komprimiert. Rund um das Hotel eskaliert derweil der dystopische Kapitalismus in Form von Aufständen gegen die privatisierten Wassergeschäfte. Autor Drew Pierce legt mit diesem kleinen Film auch sein Regie-Debüt vor. Ihn habe die Möglichkeit eines Genre-Hybrids interessiert. Und gerade in der Kombination von Gangster-Noir-Action mit Retro-Futurismus und trockenem Humor liegt auch der Reiz dieses 15-Millionen-Low-Budget-Films. Atmosphärisch wäre „Hotel Artemis“ jedenfalls die perfekte Basis für eine Serie. Als Spielfilm wäre aber noch Luft nach oben. (maw)


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