Griechenland: Baumelnde Seelen und der Weg in die Unterwelt

Das ursprüngliche Griechenland fern ab von Klischees und All-inclusive-Burgen: Die Insel Lefkáda war einst ein Zentrum des internationalen Jetset. Inzwischen ist es an der ionischen Küste ruhiger geworden.

© leitner

Dei hohe Zeit, is lang vorüber." Wenn einem in einer Hafenkneipe in Nidrí Rainhard Fendrichs Beinahe-Bundeshymne in den Sinn kommt, muss, darf das keinesfalls als heimatferner Patriotismusanfall ausgelegt werden. Vielmehr ist es eine — zugegeben etwas wehmütige — Zustandsbeschreibung. Es gab eine Zeit, da war Nidrí, 1200 Einwohner, idyllisch an der Ostseite der griechischen Insel Lefkáda gelegen, ein Zentrum des internationalen Jetset. In Sichtweite des Hafens, keine zehn Kilometer entfernt, liegt die Insel Skorpios, die einst dem schwerreichen Reeder Aristoteles Onassis gehörte. Inzwischen hat sich der russische Oligarch Dmitry Rybolovlev (Privatvermögen: 6,8 Milliarden US-Dollar) auf der hermetisch abgeschirmten Privatinsel eingepachtet. In Nidrí freilich habe man den Multimilliardär samt gutbetuchter Gefolgschaft bislang nie gesehen, erfährt man an der Bar. Das war zu Onassis' Zeiten anders: Der setzte regelmäßig über, für einen Cocktail mit Blick aufs Meer, oder ein Abendessen, das sich bis in die frühen Morgenstunden hinziehen konnte. Die Fotos von damals hängen noch heute an der Kneipenwand. Ansonsten erinnert nur noch eine Statue an der Hafenpromenade an den „großen Griechen". Den anderen, Alexis Sorbas — beide wurden übrigens von Anthony Quinn für Film und Fernsehen verkörpert — beschwört hingegen die Hintergrundmusik: Dass Alexis Sorbas den Sirtaki auf Kreta tanzte, tut wenig zur Sache.

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