Währungsverfall streift heimische Wirtschaft

Experten schätzen Folgen für die Wirtschaft in Tirol und Österreich als gering ein. Manche dürften aber leiden: Do&Co-Aktie stürzte ab.

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Wien, Innsbruck –Die wirtschaftlichen Bande zwischen der Türkei und Österreich seien insgesamt zu gering, als dass der Währungsverfall in der Türkei sich spürbar auf die heimische Wirtschaft auswirken könnte. Dass ist der Tenor unter diversen Experten. „Die Türkei ist kein besonders wichtiger Markt für Österreich“, sagt Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. Nur 0,75 Prozent aller österreichischen Exporte gehen in die Türkei. Damit liegt das Land auf Platz 20 aller Exportländer. Einzelne Unternehmen, die mit der Türkei Handel betreiben, werden laut Scheiblecker aber wohl leiden. So brachen die Aktien des in der Türkei stark engagierten heimischen Cateringunternehmens Do&Co gestern zwischenzeitlich um fast zwölf Prozent ein.

Ähnlich sieht es Außenhandelsexperte Gregor Leitner von der Wirtschaftskammer Tirol. „Wir haben von Unternehmen keine Rückmeldungen erhalten, dass es wegen der Lira schwieriger geworden wäre“, so Leitner. Im vergangenen Jahr seien von Tiroler Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Wert von 104 Mio. Euro in die Türkei exportiert worden, das seien nur 0,8 % aller Exporte. Das Importvolumen aus der Türkei betrug in Tirol 96 Mio. Euro – ebenso 0,8 % der Gesamtimporte. Mittelfristig bleibe die Türkei aber weiter ein wichtiger Markt, so Leitner.

Für das Holzunternhemen Egger aus St. Johann, das in der Türkei ein Werk besitzt, sei es „noch zu früh, Aussagen über den Verlauf der kommenden Wochen oder Monate zu treffen“, erklärte der Konzern auf TT-Anfrage. Weniger als zwei Prozent des Gesamtumsatzes der Egger Gruppe werde in türkischer Lira abgewickelt. Lediglich das Kunststoffkantenwerk im türkischen Gebze erwirtschafte etwa 30 % seiner Umsätze in lokaler Währung. Die derzeitige Auftragslage im Werk Gebze, auch aus dem Inland, sei aber gut. „Die deutliche Abwertung der türkischen Lira trifft zunächst die Verbraucher im Land selbst, aber in der Folge auch das Geschäft der türkischen Egger-Kunden sowie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Türkei“, schreibt Egger. Der hohe Exportanteil komme aber den Mitarbeitern und Kunden vor Ort zugute. (mas)


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