Sommerregen bringt in Innsbruck Stau auf allen Wegen

Salzburger Verhältnisse in Innsbruck: Gerade bei Schlechtwetter und durch viele Baustellen stößt der Individualverkehr an seine Grenzen.

© Thomas Boehm / TT

Von Marco Witting

Innsbruck –45 Minuten von Hötting in die Innenstadt. Nein, nicht zu Fuß. Mit dem Auto. Am vergangenen Freitag war das für viele Autofahrer bittere Realität. Innsbruck war zugestaut. Die Parkgaragen voll mit Urlaubsgästen. Die Lenker mit den Nerven am Ende. Sommerregen, so wie er auch heute droht, sorgt in Innsbruck mittlerweile für Staus auf allen Wegen. Verhältnisse, die man etwa auch aus Salzburg nur zu gut kennt.

Andreas Heis, Chef des ÖAMTC Tirol, versuchte an besagtem Freitag den Umweg über die Autobahn. Mit nur bescheidenem Erfolg. Er sagt: „Man meint eigentlich, viele Einheimische seien weg und im Urlaub. Doch das ist ein Irrtum. An Regentagen drängen viele Urlauber einfach aus dem Umland nach Innsbruck. Und das bringt das Verkehrssystem in der Stadt dann schon an die Grenzen.“ Teilweise seien die Autofahrer selbst schuld an der Misere, „etwa wenn sie noch schnell in eine Kreuzung einfahren, wo es eigentlich nicht mehr geht, und dann alles blockieren“.

Wenn dann noch viele Parkgaragen voll sind, wiege dies doppelt schwer – weil die Lenker auf der Suche nach einer Stellfläche im Kreis fahren. Auch die Baustellen sorgen für Probleme. Heis sagt: „Es ist natürlich mühsam, aber auch verständlich und wichtig, dass etwas gebaut oder erneuert wird. Was ich mich schon aber frage, ist, warum das immer alles so lange dauert.“ Der ÖAMTC-Landesdirektor sieht Innsbruck, was die Staubelastung betrifft, im Vergleich zu anderen Städten aber immer noch als „Insel der Seligen“.

Ein wenig zeigt das auch der TomTom-Traffic-Index. Dessen aktuellste Zahlen stammen aus dem Februar 2017. Demnach ist Innsbruck nur auf Platz 5 der staureichsten Städte in Österreich. International liegt man weit hinten. Dennoch: Auch hier weisen die Daten des Navi-Herstellers aus, dass man pro Tag in der Stadt durchschnittlich 18 Minuten an Zeit verliert. Jährlich verlieren die Autofahrer damit laut der Statistik hochgerechnet 69 Stunden. Wobei die Stausituation am Abend angespannter ist als morgens. Und: Auch schon vor zwei Jahren war ein Freitag im August der staureichste Tag des Jahres 2016.

Verkehrsstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) sieht in Innsbruck naturgemäß einen „wunderbar ausgebauten Öffi-Verkehr“, die Stadt sei auch für die Urlauber perfekt mit der Bahn zu erreichen. „Man muss nicht mit dem Auto kommen. Und man sollte auch einen Sichtwechsel vollziehen. Nicht die Baustellen sind das Problem für einen Stau. Der Autofahrer selbst ist durch seine Fahrt ein Teil davon.“

Auch in anderen Städten gebe es das Phänomen, dass in der Hochsaison die Straßen verstopft sind. Wegen den vielen Baustellen in der Stadt habe sie jedenfalls kein schlechtes Gewissen. „Das gehört nun einmal zu einer Stadt dazu. Und es gibt bestimmte Arbeiten, die eben nur zu bestimmten Zeiten durchgeführt werden können“, so Schwarzl.

Österreichweit führt Salzburg die Staurangliste an. Erst danach kommt Wien. Noch vor Innsbruck liegen auch Graz und Linz.


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