Der Himmel auf Erden

Schloss Bruck zelebriert diesen Sommer seine von Simon von Taisten mit einem bunten Bildteppich ausgemalte Kapelle als exquisite Preziose.

© DI Wolfgang C Retter

Von Edith Schlocker

Lienz –Schloss Bruck, das um die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaute und um die letzte Jahrtausendwende von Architekt Gerhard Mitterberger mit viel Gespür ins Heute geholte Stammschloss der Görzer, ist immer einen Besuch wert. Nicht nur wegen der mit Schlüsselwerken aus diversen Schaffensperioden von Albin Egger-Lienz bestückten Schau, die im heurigen Jahr, in dem sich der Geburtstag dieses großen Klassikers der Moderne zum 150. Mal jährt, durch Leihgaben aus externen Sammlungen ergänzt wird.

Zwar nicht in Lienz, aber immerhin im nahen Welsberg um 1450 geboren wurde Simon von Taisten, einer der bedeutendsten heimischen Maler der Spätgotik. Orientiert an der Formensprache Michael Pachers, hat er zahlreiche Kirchen mit seiner Kunst veredelt, am eindrucksvollsten wohl die doppelgeschoßige Kapelle von Schloss Bruck. Dem gängigen Schicksal einer Barockisierung ist sie wohl nur deshalb entgangen, weil die Auftraggeber zur Ausmalung der Kapelle, Leonhard von Görz und seine Frau Paola Gonzaga, kinderlos starben, wodurch die Grafschaft an die Habsburger fiel, denen das Schloss offensichtlich nur wenig bedeutete.

Zwischen 1490 und 1496 hat Simon von Taisten sämtliche Wände der kuppelüberwölbten Kapelle mit einem bunten Bildteppich überzogen, der kürzlich sorgsam gereinigt und von Spuren älterer Restaurierungen befreit worden ist. Um unter dem Titel „Mal mir den Himmel“ zum Inhalt der heurigen – von Leo Andergassen kuratierten – Brucker Sommerausstellung zu werden. Die klug heranführt an die Kapelle als alles andere überstrahlendes Ausstellungsobjekt.

Anschaulich machend, wie und womit Simon von Taisten gearbeitet bzw. wie er als Künstler „getickt“ hat. Da werden etwa die 13 – extrem giftigen – Farbpigmente vorgeführt, mit denen er ausschließlich gemalt hat, genauso wie die Werkzeuge, mit denen er und seine Helfer auskommen mussten. Erklärt werden auch die Technik des Freskomalens und das komplexe Bildprogramm der Brucker Kapelle. Das nicht zuletzt zum „ewigen Gedechtnus“ seiner Stifter angelegt ist, die gleich zweimal verewigt sind. Neben den 14, für sämtliche Nöte der spätmittelalterlichen Menschen wichtigen Nothelfer, der Darstellung der Schutzmantelmadonna und des Marientods. Bei der kürzlichen Restaurierung freigelegt wurden auch unzählige Graffiti. Das älteste stammt aus dem Jahr 1507, eines der jüngsten von einem Besatzungssoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie sollen zum sicher spannenden Inhalt einer zukünftigen Ausstellung auf Schloss Bruck werden.

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