Wirbel um Zusatz für Kunstschnee: Platter droht mit Förderstopp

Sieben Tiroler Skigebiete wollten ursprünglich den umstrittenen Zusatz „Snomax“ für ihren Kunstschnee beantragen. LH Platter lässt jetzt ein gesetzliches Verbot prüfen.

Aufreger Kunstschnee: Die Seefelder Bergbahnen planen einen Feldversuch mit Zusatzstoffen, Tirols Seilbahner sind empört.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler

Innsbruck – Schnee von gestern? Mitnichten! Dass das Landesverwaltungsgericht unter Auflagen den Seefelder Bergbahnen die Beimischung von abgestorbenen Bakterien für die Kunstschneeerzeugung erlaubt, treibt der Politik und der Seilbahnwirtschaft jetzt die Schweißperlen ins Gesicht. Mehr maschineller Schnee soll damit auch bei höheren Temperaturen produziert werden.

Politisch hat sich Tirol zum Reinheitsgebot für Kunstschnee mit klarem Trinkwasser und Luft bekannt. Doch bereits seit 2014 laufen Bemühungen für den umstrittenen Zusatz „Snomax“. Ursprünglich wollten ihn sogar sieben Seilbahnbetreiber bei der Wasserrechtsbehörde beantragen, sechs konnten vom Gegenteil überzeugt werden. Nämlich von Seilbahnsprecher Franz Hörl. Doch die Seefelder Bergbahnen marschierten weiter und bekämpften erfolgreich den negativen Bescheid des Landes.

Seilbahner fürchten „massiven Imageschaden“

Noch im Vorjahr wurde das Land vom Gericht um Stellungnahme gebeten, man berief sich erneut auf den in Tirol herrschenden politischen Konsens für ein Verbot. Ob das Land allerdings in Revision geht, ist noch unklar.

Kunstschnee wird immer wichtiger. Am schlimmsten wäre ein Winter ohne Schnee.“
Werner Frießer, Bürger­meister von Seefeld

Während man in Seefeld die Aufregung nicht versteht, befürchtet die Seilbahnwirtschaft einen massiven Imageschaden. „Seilbahnunternehmen, die Zusatzstoffe anwenden, dürfen keine öffentlichen Mittel – auch nicht von der Tourismuswerbung – bekommen“, betont Franz Hörl. Er spricht von einer verheerenden Botschaft. „Enttäuschend ist allerdings, dass eine Olympiaregion wie Seefeld hier eine rote Linie überschreitet.“ Hörl möchte alle politischen Möglichkeiten in Bund und Land für ein Verbot von Zusatzstoffen ausschöpfen.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Bei Tourismusreferent und LH Günther Platter (VP) rennt Hörl offene Türen ein. „Ich lasse bereits eine gesetzliche Grundlage prüfen, damit wir künstliche Zusatzstoffe bei der Schneeproduktion ausschließen können.“ Angepasst wird auch die Infrastrukturförderung. „Wir werden künftig keine Infrastrukturförderungen etwa für Seilbahnen mehr gewähren, wenn Zusatzstoffe zur Beschneiung verwendet werden“, kündigt Platter an.

BM Frießer: „Planen vorerst Feldversuch“

Für Seefelds Bürgermeister und Bergbahnen-Vorstand Werner Frießer ist die „Kommunikation in diesem sensiblen Bereich“ sicher schwierig. „Vorerst planen wir einen Feldversuch.“ Bisher gebe es unterschiedliche Meinungen über die Wirkung. Das Schneezentrum Tirol soll den Versuch begleiten. Einig, so Frießer, seien sich die Seefelder Touristiker, dass Kunstschnee immer wichtiger werde. „Am schlimmsten wäre ein Winter ohne Schnee.“ Außerdem sei belegt, dass es keine negativen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt gebe.

Seilbahner wie Hannes Parth (Ischgl), Klaus Dengg (Hintertuxer Gletscher) oder Walter Eisenmann (Sprecher der Skiwelt Wilder Kaiser) sehen das anders. „In Zeiten erhöhter ökologischer Sensibilität wäre eine Abkehr vom Reinheitsgebot ein echtes Desaster. Nicht nur für unsere Umwelt, sondern auch für unseren Ruf.“

Wenn es keine rechtliche Handhabe gegen Bakterienzusätze gebe, dann benötige es eine Vereinbarung unter den Tiroler Skigebietsbetreibern, schlägt der grüne Klubchef Gebi Mair vor. „Alle sollen sich verpflichten, auf Zusätze bei der Beschneiung zu verzichten.“

Die FPÖ lehnt Snomax ebenfalls ab. FP-NR Gerald Hauser fordert allerdings auch eine Stärkung der höher gelegenen schneesicheren Skigebiete.


Kommentieren


Schlagworte