Türkisches Gericht verfügte Freilassung von Amnesty-Ehrenvorsitzendem

Istanbul/Ankara (APA/AFP) - Nach mehr als einem Jahr in Haft hat ein türkisches Gericht überraschend die Freilassung des Ehrenvorsitzenden v...

Istanbul/Ankara (APA/AFP) - Nach mehr als einem Jahr in Haft hat ein türkisches Gericht überraschend die Freilassung des Ehrenvorsitzenden von Amnesty International in der Türkei angeordnet.

Ein Istanbuler Gericht habe am Mittwoch die Freilassung von Taner Kilic unter Auflagen verfügt, sagte der Amnesty-Türkeiexperte Andrew Gardner der Nachrichtenagentur AFP. Er hoffe, dass der Menschenrechtsanwalt in den kommenden Stunden tatsächlich das Gefängnis verlassen könne.

Kilic war am 6. Juni 2017 in Izmir unter dem Vorwurf festgenommen worden, zur verbotenen Gülen-Bewegung zu gehören, die für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Amnesty fordert seit langem die Freilassung von Kilic und betont, dass es keinerlei Beweise gegen ihn gebe. Erst am 21. Juni entschied ein Gericht, ihn weiter in Untersuchungshaft zu behalten. Die nächste reguläre Anhörung war erst für den 7. November angesetzt.

Amnesty-Generalsekretär Kumi Naidoo zeigte sich nach der Gerichtsentscheidung am Mittwoch „überwältigt von Freude“, betonte aber, dass sie erst gefeiert werde, wenn Kilic tatsächlich zurück bei seiner Frau und seinen Kindern sei. Neben Freude und Erleichterung bleibe auch Trauer über all die Dinge, die Kilic verpasst habe, und Wut, dass die Vorwürfe gegen ihn und die „Istanbul 10“ nicht fallen gelassen worden seien, erklärte Naidoo.

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Zusammen mit Kilic sind zehn weitere Menschenrechtsaktivisten angeklagt, die im Juli 2017 während eines Workshops auf der Insel Büyükada bei Istanbul festgenommen worden waren. Unter ihnen sind die türkische Amnesty-Direktorin Idil Eser, der Deutsche Peter Steudtner und der Schwede Ali Gharavi. Sie wurden bei der ersten Anhörung Ende Oktober auf freien Fuß gesetzt, Steudtner und Gharavi kehrten daraufhin in ihre Heimatländer zurück.

Die Justiz wirft Kilic vor, den Messengerdienst ByLock auf seinem Handy gehabt zu haben, der von den Gülen-Anhängern zur Kommunikation benutzt worden sein soll. Amnesty hat immer wieder betont, dass mehrere Gutachten belegt hätten, dass es dafür keinen Beweis gebe. Zehntausende Menschen wurden in der Türkei wegen ByLock festgenommen, obwohl die App laut Experten auch außerhalb der Gülen-Bewegung benutzt wurde.

Die Entscheidung über Kilics Freilassung erfolgte wenige Stunden, nachdem ein anderes Gericht einen Antrag zurückgewiesen hatte, den US-Pastor Andrew Brunson aus der U-Haft zu entlassen. Die Inhaftierung des evangelikalen Pfarrers aus Izmir belastet seit Monaten das Verhältnis zu den USA, die deshalb Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt haben. Der Streit hat die türkische Lira drastisch einbrechen lassen.

~ WEB http://www.amnesty.org/ ~ APA290 2018-08-15/17:11


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