Brückeneinsturz in Genua - Art des Unglücks besonders belastend

Genua/Innsbruck/Wien (APA) - Der Brückeneinsturz in Genua - ein Unglück, das aufgrund seiner besonderen Art auch besonders belastend für Ang...

Genua/Innsbruck/Wien (APA) - Der Brückeneinsturz in Genua - ein Unglück, das aufgrund seiner besonderen Art auch besonders belastend für Angehörige und Helfer ist. „Vor allem deshalb, weil man sich immer die Frage stellt: Warum hat man das nicht verhindern können“, sagte Monika Stickler, Leiterin der psychosozialen Betreuung des Roten Kreuzes, im APA-Gespräch.

Von der physischen Dimension des Unglücks sei Genua mit einem Erdbeben vergleichbar, in psychischer Hinsicht jedoch nicht: „Ein Erdbeben kann man nicht verhindern, das ist eine Naturkatastrophe. Hier weiß man noch nicht, weshalb die Brücke einstürzte und ob es etwa Versäumnisse gab. Das macht die Situation für alle Beteiligten noch schwieriger“.

Für die vielen Helfer, die in den Trümmerbergen nach möglichen Verunglückten suchen, komme zudem noch eine Tatsache erschwerend hinzu: „Bei einem Flugzeugabsturz beispielsweise weiß man, wie viel Menschen in dem Flugzeug waren. Aber bei dem Unglück in Genua, weiß niemand, wie viele sich auf der Brücke befunden haben“, wies Stickler auf die besondere Tragik hin.

Hinzu komme nun der Faktor Zeit. Je länger der Rettungseinsatz dauert, umso größer wird die Belastung für Angehörige und Helfer. „Es schwindet die Hoffnung. Und die Rettungskräfte spüren mehr und mehr ihre eigene Hilflosigkeit. Es kann zu einem Hinterfragen kommen, ob man auch wirklich alles richtig gemacht hat“, so die Rotes Kreuz-Expertin. Zu Beginn des Einsatzes könne man dies alles noch leichter ausblenden: „Da ist man sehr fokussiert auf die Arbeit. Man ist voller Elan“.

Bei den Bergungsarbeiten sei die Koordination immens wichtig. Schließlich gelte es auch, die Rettungskräfte angesichts der schweren, instabilen Trümmerhügel nicht zu gefährden. Auch gehe es darum, die Helfer nicht zu überfordern und sich „in vernünftigen Abständen“ bei der Bergearbeit abzuwechseln, erklärte Stickler.

Essenziell sei zudem eine psychosoziale Betreuung - sowohl während als auch nach den Arbeiten. „Natürlich nur für jene, die eine solche Betreuung brauchen und auch in Anspruch nehmen wollen“, meinte die Leiterin der psychosozialen Betreuung im Roten Kreuz. Bei einem solchen Einsatz würden Fachkräfte etwa bereits während der Bergearbeiten die Helfer beobachten und im Falle besonders auffälliger psychischer Belastung zur Stelle sein. So sei etwa auch eine übermäßige Fokussierung auf die Arbeit „gefährlich“, weil dadurch Gefahren nicht mehr in notwendigem Maße wahrgenommen werden. Generell gelte für die Retter - bei aller Dramatik der Situation - eine „professionelle Distanz“ aufzubauen, erläuterte Stickler.


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