Rettungskräfte in Genua suchen nach Hohlräumen unter Brückentrümmern

Genua (APA/AFP) - Unterstützt durch Bagger und Kräne suchen die Rettungskräfte in Genua weiter nach Verschütteten in den Trümmern der einges...

Genua (APA/AFP) - Unterstützt durch Bagger und Kräne suchen die Rettungskräfte in Genua weiter nach Verschütteten in den Trümmern der eingestürzten Autobahnbrücke. Bis Donnerstagmorgen wurden keine weiteren Opfer entdeckt: „Letzte Nacht hatten wir kein Glück, wir haben niemanden gefunden“, sagte Feuerwehrsprecher Emanuele Gissi. Die Opferzahl lag weiter bei 39 Toten und 16 Verletzten.

Die Helfer suchten weiter nach Hohlräumen unter den Trümmern, in denen sich Menschen befinden könnten. Der Polizei liegen noch mehrere Vermisstenmeldungen vor. Spezialisten arbeiteten daran, die Trümmer in große Betonblöcke zu zerschneiden und mit Kränen abzutragen, um Spürhunde in den Schutt schicken zu können. Die Arbeit sei sehr gefährlich, da die Trümmer und auch der noch stehende Rest der Autobahnbrücke instabil seien, betonte Feuerwehrsprecher Gissi.

Auf dem stehen gebliebenen Rest der Brücke stand am Donnerstagmorgen weiterhin der inzwischen durch Fotos berühmt gewordene grüne Lkw kurz vor dem Abgrund - mit immer noch laufendem Motor. Sein Fahrer war nach dem Unglück in Panik aus dem Laster gesprungen und davongerannt, ohne den Motor auszustellen. Auch die Scheibenwischer liefen weiterhin, weil es zum Zeitpunkt des Brückeneinsturzes geregnet hatte. Nach Angaben der Spedition hat der Lkw genug getankt, um noch tagelang laufen zu können.

Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua war am Dienstag auf einer Länge von mehr als 200 Metern eingestürzt. Lastwagen und Autos stürzten rund 45 Meter in die Tiefe und wurden teils unter Betontrümmern begraben.

Die italienische Regierung verhängte am Mittwoch einen zwölfmonatigen Ausnahmezustand in der Hafenstadt. Damit werden unter anderem Hilfen für die mehr als 630 Anrainer erleichtert, die nach dem Einsturz ihre teilweise unter der Brückenkonstruktion liegenden Wohnhäuser verlassen mussten. Auch ein Tag der Staatstrauer ist geplant. Er soll am Tag der Trauerfeier für die Todesopfer stattfinden - laut italienischen Medienberichten voraussichtlich am Samstag.

Der Brückeneinsturz betrifft indes auch Autofahrer in der betroffenen Region, die sich auf Staus und lange Wartezeiten einstellen müssen. Die Auswirkungen dürften in den kommenden Wochen noch anhalten. Wie der ÖTC berichtet, ist auch die Bahnverbindung Genua - Sestri Levante ist unterbrochen. Der Verkehrsclub hat auf seiner Webseite Ausweichrouten aufgelistet: (http://go.apa.at/5nSjx1qx).

Die Aktie der italienischen Infrastruktur-Gruppe Atlantia an der Börse in Mailand ist erneut abgestürzt. Der Kurs brach am Donnerstag um über 24 Prozent ein und lag bei knapp 17,80 Euro. Zuvor war die Aktie des Mutterkonzerns des Autobahnbetreibers Autostrade per l‘Italia für knapp eine Stunde vom Handel ausgesetzt worden.


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