Liebe in Zeiten von Ressourcenknappheit: Wim Wenders‘ „Grenzenlos“

Wien/Hollywood (APA/dpa) - Alicia Vikander und James McAvoy spielen in „Grenzenlos“ zwei verwandte Seelen, die sich finden, sich verlieben u...

Wien/Hollywood (APA/dpa) - Alicia Vikander und James McAvoy spielen in „Grenzenlos“ zwei verwandte Seelen, die sich finden, sich verlieben und sich dann wieder trennen. Sie, um die Tiefen des Meeres zu erkunden und er, um einen Terroristen aufzuspüren. Leider erreicht die Literaturverfilmung des deutschen Regisseurs Wim Wenders niemals die Tiefe, die sie mit ihren Metaphern versucht hervorzurufen. Ab Freitag im Kino.

Als Wasserexperte für eine britische Wohltätigkeitsorganisation, die in Afrika arbeitet, macht James More (James McAvoy) vor seiner nächsten Mission einen Kurzurlaub in der Normandie, wo er Danielle Flinders (Alicia Vikander) trifft, die sich auf ihren ganz eigenen Arbeitsausflug vorbereitet. Sie ist eine Meeresbiologin, die kurz davor steht ein U-Boot zu besteigen, um Beweise für das Leben in der Erdkruste tief im Ozean zu finden. Sie und ihre Kollegen gehen davon aus, dass ihre Arbeit einen weltverändernden Einfluss auf unsere Vorstellungen vom Leben haben könnte.

Während wir durch Rückblenden beobachten, wie sich die beiden an weißen Stränden gegenseitig verzaubern und vor einem knisternden Kamin herumtollen, wissen wir bereits, dass James in Wahrheit ein Geheimagent ist, der bald von somalischen Dschihadisten gefoltert und gefangen gehalten wird. Danielle, die so viel Zeit damit verbracht hat über die weltumspannende Bedeutung dessen zu sprechen, was sie im Ozean finden könnte, wird sich auf ihre Tiefseeexpedition begeben und sich den Rest des Films fragen, warum der Kerl, mit dem sie drei Tage verbracht hat, sie nicht zurückruft.

Es ist viel los im neuen Film von Wim Wenders. „Grenzenlos“ ist ein Liebesmelodram, ein Ökodrama und ein Spionagethriller. Man kann alle großen Themen, denen sich der bereits dreimal Oscar-nominierte Regisseur in den letzten Jahren verpflichtet hat, erkennen: Wissenschaft und Glaube, die Ursprünge des Lebens, die zunehmende Verknappung natürlicher Ressourcen und so manches mehr. Aber letztendlich bricht die Romanze unter all dem Gewicht zusammen.

Das Drehbuch von Erin Dignam („The Last Face“), die einen Roman des schottischen Kriegskorrespondenten und Schriftstellers J.M. Ledgard adaptiert hat, lässt das komische Geplänkel in Richtung Ozeanografie und der Zukunft des Planeten treiben. Er fragt sie, was ihr liebstes Gewässer ist, und sie sagt der Atlantik; sie stellt ihm dieselbe Frage und er nennt den menschlichen Körper. Das Ganze wird gekoppelt mit einer romantischen Partitur von Fernando Velazquez („Sieben Minuten nach Mitternacht“) und einer ausgedehnten Montage des Lachens. Der Film schneidet zwischen ihrem Kennenlernen und ihren jeweiligen Härtetests hin und her und versucht Analogien zu ziehen zwischen der Dunkelheit einer Gefängniszelle, der Finsternis des radikalen Islam, den Tiefen des Meeres und dem Leben, das an solchen Orten zu bestehen vermag.

Wim Wenders, der uns Filme wie „Das Salz der Erde“ und „Der Himmel über Berlin“ geschenkt hat, macht sich Sorgen um die Welt, vielleicht ähnlich wie Papst Franziskus, dem er gerade eine Dokumentation gewidmet hat. Die Sorge ist berechtigt, aber während er versucht die einzelnen Themenbrocken in seinem neuen Film poetisch zu vereinen, verschmilzt „Grenzenlos“ nie zu der epischen Romanze, die sie eigentlich sein sollte - nicht zuletzt deshalb weil die beiden Hauptfiguren den größten Teil getrennt voneinander in zwei völlig unterschiedlichen Filmen verbringen. James McAvoy und Alicia Vikander sind wunderbare Schauspieler, aber sie ertrinken in einem Meer von schwerfälliger Symbolik.

(S E R V I C E - www.grenzenlos-derfilm.de)


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