Frequency - Mando Diao spüren live „was die Leute fühlen“

St. Pölten (APA) - Neun Jahre ist es her, dass Mando Diao zum bisher letzten Mal eine Frequency-Bühne gerockt haben. Am heutigen Freitag wir...

St. Pölten (APA) - Neun Jahre ist es her, dass Mando Diao zum bisher letzten Mal eine Frequency-Bühne gerockt haben. Am heutigen Freitag wird es aber wieder so weit sein, die schwedischen Rocker stehen kurz vor Sonnenuntergang auf der Green Stage am Programm. „Ziemlich verrückt, dass wir so lange nicht hier waren“, lachte Sänger Björn Dixgard vor dem Auftritt im APA-Interview. „Keine Ahnung, was passiert ist.“

Nun, passiert ist eine Menge im Hause Mando Diao: Die höchst erfolgreiche Band hat einige musikalische Experimente hinter sich gebracht - nicht alle wirklich geglückt - und zuletzt auch den zweiten Sänger Gustaf Noren verloren. Mit dem aktuellen Line-up sind Dixgard und sein Kollege Daniel Haglund (Keyboards) aber äußerst zufrieden. „Es funktioniert derzeit verdammt gut bei uns“, meinte Dixgard. „Diese neue Konstellation ist fantastisch. Natürlich streiten wir auch mal, aber wir lösen das immer. Das ist eine Grundregel. Auch, dass man nicht betrunken streitet.“

„Dafür haben wir sogar ein Safeword“, warf Haglund lachend ein. „Wenn die Dinge aus dem Ruder laufen, sagen wir das einfach. Dann wird der Streit beziehungsweise dessen Lösung auf den nächsten Tag verlegt.“ Für das im Vorjahr erschienene „Good Times“ musste sich das Quintett das wohl nur selten nutzen, immerhin konnte die Gruppe damit wieder an alte Stärken anschließen: Eingängige Rocksongs mit Ecken und Kanten, die auch und besonders unter freiem Himmel äußerst gut funktionieren. „Festivals sind einfach etwas Besonderes, da ist die Energie vom Publikum sehr speziell“, so Haglund. „Du fühlst, was die Leute fühlen.“

„Das ist eigentlich surreal, wenn es so viele Leute sind“, gab Dixgrad zu bedenken. „Eigentlich verschwimmen die Auftritte auch ein bisschen, es ist wie eine einzige große Show in unserem Leben. Aber du weißt, ob der Gig gut oder schlecht war.“ Wenn man aber nicht gerade vor tausenden Fans auftritt, arbeiten die Musiker derzeit fleißig am Nachfolger von „Good Times“. „Wir sind sogar schon recht weit, im Herbst wollen wir es dann finalisieren. Also kommt es wohl im kommenden Jahr raus“, erklärte der Sänger, der auch den Arbeitstitel verriet. „Der lautet derzeit ‚Swamp‘: Es klingt also ziemlich bluesig, sehr roh und direkt.“ Und außerdem steht 2019 das 20-jährige Bandjubiläum an. „Nur sind wir einfach gar nicht nostalgisch“, gab Dixgard allfälligen Feierlichkeiten vorerst eine Abfuhr.

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Keine Abfuhr gab es vom Publikum für den Schweizer Musiker Faber, der bereits am Nachmittag die weitläufige Space Stage mit seiner Band bespielt hat. Allerdings musste Julian Pollina, so sein richtiger Name, nach dem Auftritt ehrlich bekennen: „Festivals sind schon etwas anderes. Ich mag sie eigentlich nicht besonders.“ Wobei er es als Musiker ja noch gut habe. „Da ist es doch chillig.“ Aber im Zelt schlafen, von allen Seiten beschallt werden und sich der durchaus stressigen Festivalkultur auszusetzen, das wäre nichts für Faber, wie er der APA verriet. „Ich war wohl ein, zwei Mal früher auf so etwas. Aber es ist ja doch immer entweder zu heiß oder zu kalt. Und alle haben so nervig gute Laune.“

Diese Feststellung passt auch irgendwie zur melancholischen Grundstimmung der Musik von Faber, der mit seinem Debüt „Sei ein Faber im Wind“ (2017) ziemlichen Eindruck in der Szene hinterlassen hat. Intelligente Popsongs mit weltmusikalischem Einschlag und vor allem eigenwilligen Texten, die zum genauen Hinhören verführen. Und damit hatte er Erfolg. Ob ihn dieser verändert hat? „Klar, das macht etwas mit dir. Im vergangenen Jahr ist vor allem privat viel passiert, deswegen kann ich es nicht so gut einschätzen. Aber natürlich verändert es dich. Es gab schon Abende, an denen ich dachte: Wenn das jeden Tag passiert, dann komme ich nie mehr runter.“

Also doch lieber an neuer Musik arbeiten, wie es Faber seit einiger Zeit bereits wieder macht. „Das läuft eigentlich immer so mit. Normalerweise spielen wir auch sicher sechs neue Songs, heute ging sich nur einer aus. Ich habe halt noch nicht so eine Vision, was ich konkret machen werde. Wird es eine Fortsetzung oder werde ich etwas anderes machen? Die Songs stehen zwar schon, aber die kann man ganz verschieden aufnehmen.“ Da ist also nicht nur der Fan gespannt, was am Ende des Tages rauskommen wird.

(Die Gespräche führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.frequency.at)


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