Salzburger Festspiele - Currentzis ganz konservativ

Salzburg (APA) - Teodor Currentzis macht alles ein bisschen anders, als die anderen. So wich auch der Terrassentalk zum Beethoven-Zyklus am ...

Salzburg (APA) - Teodor Currentzis macht alles ein bisschen anders, als die anderen. So wich auch der Terrassentalk zum Beethoven-Zyklus am Sonntag vom Protokoll ab. Anstelle eines moderierten Gesprächs unterhielt sich der Dirigent einfach mit Christian Binde, Hornist in seinem Orchester musicAeterna, genau so, wie man das sonst vor den Konzerten auch täte.

Currentzis ist gut gelaunt, scherzt über typische Fragen nach seinem Befinden, während er Beethoven dirigiere und bittet, sich jederzeit einzumischen. Zwei der insgesamt fünf Abende sind bereits erfolgreich über die Bühne der Felsenreitschule und des Großen Saales der Stiftung Mozarteum gegangen. Am Sonntagabend geht es mit der zweiten und fünften Symphonie weiter. Nicht chronologisch, aber vollständig werden die Symphonien bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. „Das war nicht meine Idee, sondern Markus Hinterhäusers und ihm vertraue ich. Jede Symphonie ist eine eigene Welt, das kann man nicht als Serie bezeichnen. Wir spielen zwei Symphonien an einem Abend und es ist schwer zu glauben, dass beide vom selben Komponisten stammen“, beschreibt Currentzis die Diversität der Werke. Das gehe so weit, dass er schon von den Symphonien träume.

Mit den ersten beiden Aufführungen hat der griechisch-russische Dirigent seinem Ruf als „Klassikrebell“ wieder alle Ehre gemacht. Vor allem mit seinem zügigen Tempo. „Das ist aber gar nicht Teodor. Die Tempi stammen von Beethoven. Er hat ziemlich genaue Tempoangaben gemacht und das sieht man auch in den Quellen“, so Christian Binde. Currentzis sei damit sogar eigentlich sehr konservativ, wenn er so spiele, wie Beethoven es verlangt hat.

In der Tat hat sich Teodor Currentzis auf verschiedenste Weise mit den Tempoangaben Beethovens auseinandergesetzt, mit Metronomen experimentiert und kommt letztlich zu dem Schluss, dass die Angaben zwar eine Idee davon geben, wie der Satz klingen sollte, er selbst würde allerdings nie mit solchen Angaben arbeiten. Instinktiv, so benennt er seinen persönlichen Zugang zu den Symphonien.

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Viel spannender ist für Currentzis tatsächlich die Wirkungskraft der Musik. Mit verschiedensten Vergleichen versucht er zu erklären, warum er Originalklang bevorzugt, das Orchester im Stehen spielt („weil es besser klingt und mehr Platz ist“) und seine Interpretationen manche Zuhörer irritieren. „Ich glaube, die Rolle der Musiker ist es, dem Publikum Fragen zu stellen. Die Energie nach einem Konzert spornt zu neuen Fragen an, sie erneuern die Musik. Wenn es eine Antwort gibt, dann ist das das Ende“, philosophiert Currentzis. Bleibt also zu hoffen, dass sich an den restlichen drei Konzertabenden noch viele Fragen stellen werden.

( S E R V I C E : Beethoven-Zyklus. Teodor Currentzis, musicAeterna. Weitere Termine am 19., 22. und 23. August. www.salzburgerfestspiele.at )


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