Betreuung schwerkranker Kinder - Familie hilft heilen

Alpbach (APA) - Wird in einer Familie ein Kind für längere Zeit schwer krank, bedeutet das eine enorme Belastung für die Familie. Wohnheime ...

Alpbach (APA) - Wird in einer Familie ein Kind für längere Zeit schwer krank, bedeutet das eine enorme Belastung für die Familie. Wohnheime neben Kliniken können helfen. Experten fordern jetzt auch in Österreich dafür Unterstützungen der öffentlichen Hand. Im Weg stehe auch die „Ausgabenbremse“ für die Sozialversicherung, hieß es im Vorlauf zu den Alpbacher Gesundheitsgesprächen gegenüber der APA.

„Pro Jahr betreuen wir rund 1.100 Kinder und deren Familien, die in einer unserer fünf Einrichtungen in unmittelbarer Nähe einer Klinik vorübergehend wohnen. Es sind pro Tag etwa 50 Kinder, die mit einem Familienangehörigen in einem unserer Häuser oder in einem Apartment untergebracht sind“, sagte Sonja Klima, seit 2010 geschäftsführende Präsidentin der Ronald McDonald Kinderhilfe in Österreich.

„Nähe hilft“, heißt der Wahlspruch für dieses „Zuhause auf Zeit“. „Oft geht es um die Unterbringung und das Zusammenleben mit einem Angehörigen von Kindern mit langwierigen Krebserkrankungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei zehn bis zwölf Tagen. Es können aber auch bis zu zwei Jahre sein, wie die Erfahrungen zeigen“, sagte Sonja Klima. Aber Familien von Neugeborenen, die längerfristig und intensiv neonatologisch betreut werden müssen, gehören zur „Klientel“. Mit den Gratis-Unterbringungsmöglichkeiten kann auch eine enorme finanzielle Entlastung der Familien einher gehen.

In Wien gibt es mittlerweile in unmittelbarer Nähe des St. Anna-Kinderspitals sowie beim Wiener AKH (Borschkegasse) zwei solcher Häuser mit Apartments, weitere Häuser bzw. Apartments in Graz, Salzburg und Innsbruck. Zwei neue Häuser sollen kommendes Jahr gebaut werden. Weltweit sind es bereits 365 solcher Einrichtungen.

„Das Wohnen von Kindern mit engsten Familienangehörigen im unmittelbaren Umfeld von spezialisierten Kliniken, wo die Therapie erfolgt, ist keine ‚Wohlfühl‘-Aktivität. Das ist eine medizinische Intervention im Rahmen einer abgestuften Versorgung. Wissenschaftliche Studien haben eindeutig gezeigt, dass die Unterbringung von schwerkranken Kindern zusammen mit ihren engsten Angehörigen den Heilungsprozess verbessert und beschleunigt“, sagte Michael Gnant, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie von MedUni Wien und AKH im Rahmen der „Open Alm“-Gespräche in Alpbach.

Abgesehen davon würden Familienmitglieder, die mit Kindern ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen, automatisch ein Akutbett belegen und somit auch die hohen Kosten verursachen, betonte der Experte, der mit anderen führenden österreichischen Fachleuten beim Gesundheitsforum „Prevenire“ in Seitenstetten eine Resolution zur Sicherstellung der zukünftigen Versorgung von Krebspatienten in Österreich im Rahmen eines weiterhin solidarischen Gesundheitswesens formuliert hat.

Rund fünf Millionen Euro kostet die Errichtung eines Kinderhilfe-Wohnhauses. Das wird über die Ronald McDonald-Organisation abgedeckt. In Österreich kommt man mit den Spendengeldern aus verschiedensten Quellen derzeit jährlich auf rund 500.000 Euro Budget für die laufenden Aufwendungen. Jede der Einrichtungen sucht auch noch selbst nach Finanzierungsquellen.

Gerade auf diesem Gebiet aber weist Österreich ganz offenbar strukturelle Mängel auf. „Wir haben hier das Defizit, dass in Österreich die öffentliche Hand für diese Einrichtungen keinen Beitrag leistet. In Deutschland zahlt die Sozialversicherung pro Tag Unterbringung einen Beitrag von 22,50 Euro“, sagte Gnant.

Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger stößt man mit dieser Forderung auf ein prinzipiell positives Echo. „Ein Beitrag öffentlicher Stellen - das könnte ja zum Beispiel eine Mischfinanzierung laufender Kosten aus Mitteln der Sozialversicherung und der Bundesländer sein. Sie sind die durch diese Einrichtungen entlasteten Spitalsträger. Aber wir von der Sozialversicherung tun uns hier momentan sehr schwer mit solchen Verhandlungen, weil die Regierung die bekannte ‚Ausgabenbremse‘ verhängt hat. Das trifft auch solche Aktivitäten und gehört dringend aufgehoben“, sagte Martin Schaffenrath, stellvertretender Verbandsvorsitzender des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Es könne wohl nicht sein, dass derartige Maßnahmen höchst sinnvolle Investitionen im Gesundheitswesen blockierten.


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