Olympia, WM und Co.: „Erst besprechen, dann bewerben“

Der Tiroler Philipp Trattner, stellvertretender Kabinettchef von Sportminister Heinz-Christian Strache, prangert Fördergebaren und Event-Bewerbungen an und fordert gleiches Recht für alle Verbände ein.

Weltmeisterliches Sportland Tirol: Die Kletterer legen am 6. September, die Radfahrer am 22. September los. Bis zur Nordischen WM in Seefeld (Bild) sind es auch nur noch 182 Tage.
© gepa/Walgram

Wie empfinden Sie die Arbeit im Sportministerium nach dem Wechsel von Rot (Doskozil) zu Blau (Strach­e)?

Philipp Trattner: Sehr angenehm. Ich arbeite mit Leuten zusammen, die ihr Geschäft verstehen. Vielleicht wurden die Beamten in den vergangenen Jahren ja komisch behandelt. Gefühlt war es so: War etwas schlecht, wurde das den Beamten angelastet. Lief es gut, schrieben sich das der Minister und das Kabinett zu.

Das klingt ein wenig nach Parteipolitik. Findet sich diese im Sport, wo ja auch die bisweilen kritisierten Dachverbände eingefärbt sind?

Trattner: Zu 90 Prozent nicht, da spielt diese keine Rolle. Aber die eine oder andere Einflussnahme, fiel mir auf, gab es in der Förderlandschaft schon.

Das Schlagwort des neue­n Sportministers: Sport­strategie Austria. Dabei soll Bedarf, etwa in Sachen Infra­struktur, erhoben und evaluiert werden.

Trattner: Wir stellen diese am 6./7. September bei der Landessportkonferenz vor. Außerdem beschäftigt uns die Kooperation Bund/Land, Großveranstaltungen, die Fördertransparenz. Das wurde bislang immer eingefordert, aber nie umgesetzt.

Philipp Trattner: "Wenn man zusätzliches Geld haben will, sollte man sich überlegen, ob man das wie zuletzt einmal über Medien ausrichtet."
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Auch das Thema Rückforderungen von Förder­geldern geistert durch die Öffentlichkeit.

Trattner: Das Thema ist schnell gekommen. Dabei geht es um Förderverträg­e, die teilweise bis ins Jahr 2007/08 zurückreichen. Wir fordern Belege, Abrechnungen ein, bei ein paar sind die Fristen verstrichen, da ist der Deckel drauf.

Wie geht das Kabinett vor?

Trattner: Es geht um sechsstellige Summen in Fach- und Dachverbänden, in Vereinen. Konkret: derzeit beim Tischtennisverband. 320.000 Euro sind zurückzuzahlen, für weitere 430.000 können noch Belege eingereicht werden.

Was ist der Hintergrund?

Trattner: Wir gehen Verband für Verband durch, einige warten nur auf unsere Zusendung. Dabei ist nicht von Missbrauch die Rede, sondern von der Rückzahlung nicht verwendeter Fördergelder. Wir geben die Sache, wenn es Beanstandungen gibt, an die Finanzprokuratur weiter.

Riskiert man damit, dass ein Verband möglicherweise an den Rand des Abgrunds kommt?

Trattner: Warum sollen es die meisten Verbände schaffen, andere aber nicht? Es geht darum, alle gleich zu behandeln, wir sprechen hier schließlich von Fördergeld. Die Sportler sind von dieser Maßnahme nicht betroffen, die Basisförderung bleibt wie gehabt. Aber sonst kann es durchaus sein, dass ein Verband den Gürtel enger schnallen muss.

Wie groß ist die Enttäuschung, dass die vom Sportminister forcierte Olympia-Bewerbung in Schladming/Graz scheiterte?

Trattner: Wir haben das immer positiv gesehen, betonten aber, dass es dafür die hundertprozentige Zusage des Landes Steiermark braucht und die Kandidatur vom Land mitgetragen werden muss. Jetzt ist für uns Calgary Favorit.

Österreich, speziell Tirol, hat ja dennoch einige Großveranstaltungen vor der Tür. Wie sind Sie mit deren Organisation zufrieden?

Trattner: Bei der Kletter-WM läuft es hervorragend, auch bei der Rad-WM haben wir unseren Beitrag geleistet (gedeckelt auf 3 Mio. €, Anm.). Wenn man zusätzliches Geld haben will, sollte man sich überlegen, ob man das wie zuletzt einmal über Medien ausrichtet. Es geht darum, Verbindung aufzunehmen und zu erklären, wofür der Bund was zahlen soll.

Die Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld/Innsbruck wurde zuletzt vom Landesrechnungshof kritisiert. Wie stehen Sie zur Budget­entwicklung?

Trattner: Der Fördervertrag ist fertig. Heuer kommen seitens des Bundes 5 Mio. Euro zur Auszahlung, kommendes Jahr folgt der Rest (8,7 Mio. € gesamt, Anm.). Was künftig gelten soll: Bevor man sich bewirbt, muss man sich mit den öffentlichen Fördergebern unterhalten. Im Fall Seefeld ist das leider anders abgelaufen. Was wäre, wenn man trotz Zusage das Budget nicht zusammenbekommt?

Das Gespräch führte Florian Madl


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