„Fake“-Gewinnspiel: Wahlkampf holt Schrott wieder ein

Ein Gewinnspiel, bei dem nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein soll, bringt den Tiroler ÖVP-Kandidaten Dominik Schrott in Bedrängnis.

Dominik Schrott (Archivaufnahme).
© Volkspartei/Alexander Kratzer

Innsbruck – Der Nationalratswahlkampf von Dominik Schrott im Herbst 2017 war selbst in der Tiroler Volkspartei umstritten, jetzt könnte dem Neo-Parlamentarier mit 7093 Vorzugsstimmen das vorzeitige politische Aus drohen. In der ÖVP wurde am Dienstag bereits beraten, schließlich holt den VP-Politiker der Vorzugsstimmenwahlkampf ein.

Zuerst die Affäre um seine Facebook-Seite: Schrott führte seinerzeit mehr als 6200 Personen an, die seine politische Facebook-Seite geliked hätten. 710 oder knapp 11,6 Prozent davon stammten jedoch aus Indonesien und elf aus dem Benin. Die SPÖ hat das aufgezeigt. Die höhere Anzahl von Fans aus Indonesien erklärte Schrott damit, dass er 2015 den Kulturattaché von Indonesien Dody Kusumonegoro persönlich kennen gelernt habe. Und natürlich kritisierte er eine Schmutzkübelkampagne seiner politischen Gegner.

Dann versandte Schrott im wahrsten Sinne des Wortes kurz vor der Wahl am 15. Oktober in den Bezirken Imst und Landeck eine umstrittene Wahlempfehlung des damaligen ÖVP-Spitzenkandidaten und heutigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Als Obmann der Jungen Volkspartei in Tirol ist Schrott ein enger Gefolgsmann von Kurz. Von einem „langjährigen Weggefährten und Freund“ war in dem Schreiben die Rede. Und weiter: „Geben Sie Ihre Vorzugsstimme einem jungen engagierten Politiker, (...) Dominik Schrott“, bat Kurz mit persönlicher Unterschrift um Unterstützung für Schrott. Ob des Wirbels bei seiner schlussendlich unterlegenen Mitbewerberin Elisabeth Pfurtscheller distanzierte sich die Bundes-ÖVP umgehend von der Wahlempfehlung.

Schrotts Wahlkampfagentur Smart Ventures, deren Besitzer Thomas Ziegler ein enger Vertrauter des ÖVP-Nationalrats und aktuell auch dessen parlamentarischer Mitarbeiter ist, spielt auch in der jetzt auf einem Internetportal bekannt gewordenen Affäre eine zentrale Rolle: Es geht um ein „Fake“-Gewinnspiel im Zusammenhang mit Schrotts Vorzugsstimmenwahlkampf.

Zieglers Agentur hat es durchgeführt, als Gewinnerin entpuppt sich plötzlich seine bei ihm angestellte Nichte. Auch bei einem für ein Zillertaler Unternehmen durchgeführten Gewinnspiel trat die junge Frau als Gewinnerin auf. Für Schrott ist es ein Fehler der Agentur, Ziegler betonte in einer Stellungnahme: Man sei mit der Organisation und Durchführung der behaupteten Facebook-Gewinnspiele beauftragt. „Aufgrund der aktuellen Berichterstattung und der dabei behaupteten Fehler werden wir alles daransetzen, um diese aufklären zu können. Die Angelegenheit wurde bereits unseren Rechtsanwälten zur weiteren Behandlung übergeben. Sollte sich der Verdacht als wahr herausstellen, werden wir die Schuldigen zur Verantwortung ziehen.“

Schrott war selbst Angestellter bei Smart Ventures, wegen seiner engen persönlichen Verbindungen zu Ziegler dürfte es jetzt wohl eng werden. Auch im Bobverband war Schrotts Engagement nicht unumstritten. „Gefakte Sebastian-Kurz-Briefe, gekaufte Facebook-Freunde und geschobene Gewinnspiele“ – für SPÖ-Vizechef LA Georg Dornauer ist das „Schrott-Bingo“ komplett. (TT)


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