Tödliche Klöße: Der neue „Tatort“ aus Weimar

Dem Thüringer Kloß wurde schon einiges gewidmet, ein Museum und ein Youtube-Hit etwa. Jetzt nimmt sich ein „Tatort“ der Leibspeise der Mitteldeutschen an. Dabei wird der Kloß zum Mordwerkzeug. Und Autobahntoiletten spielen auch eine Rolle.

Die "Tatort"-Kommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ermitteln in einer Kloßmanufaktur.
© ORF/Neugebauer

Weimar, Wien –In Thüringen gibt es zwei große Dinge“, erklärt Kommissarin Dorn ihrem Partner Lessing im neuen „Tatort“ aus Weimar: Wurst und Klöße. Und mit Letzteren ist das Thema des einmal mehr an abstrusen Verwicklungen und skurrilen Gestalten reichen Weimar-“Tatorts“ auch schon gesetzt. Die Frage, ob es etwas mehr sein dürfe, wird gar nicht erst gestellt. Es wird direkt geklotzt und nicht gekleckert.

Und das schon zu Beginn: Am Ende der ersten Minuten gibt es bereits eine Leiche. Ein blutiges Messer ist aufgeblitzt, und ein Thüringer Kloß wurde von seinem Ursprung als Kartoffeln im Feld bis auf den Teller mit Soße begleitet – alles geschickt in einander geschnittene Sequenzen. Und dann kracht auch noch ein Transporter in ein Auto.

Geschäftsführer einer Kloßfabrik ermordet

Die schnöde Fahrerflucht führt das Ermittlerpaar Dorn und Lessing (Nora Tschirner und Christian Ulmen), das der MDR seit 2013 auf Verbrecherjagd schickt, zum eigentlichen Hauptfall: einem ermordeten Geschäftsführer einer traditionsreichen Kloßfabrik, dessen seit Jahren verschwundene Ehefrau urplötzlich wieder auftaucht.

Gedreht wurde dafür tatsächlich bei einem Kloßhersteller, der Thüringer Kloß-Welt in Heichelheim - während laufenden Betriebs. Das Team habe sich gefühlt wie bei der „Sendung mit der Maus“, so der MDR. Regie führt Richard Huber – wie schon bei der Folge „Der irre Iwan“.

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Den Mord nehmen die Drehbuchautoren Andreas Pflüger und Murmel Clausen jedenfalls als Ausgangspunkt für eine um Glaubwürdigkeit nicht wirklich bemühte Krimigeschichte, an deren Ende es an Leichen nicht mangelt.

Zu viele Zufälle für die Ermittler

„Ihre Ehe war megaglücklich, aber sie ist in den Hainich abgehauen, auf den Nischel gefallen, Klofrau in Stadtroda geworden, kriegt ihr Gedächtnis genau an dem Tag zurück, als ihr Mann ermordet wird und fragt nicht einmal, ob wir den Täter haben, wer‘s gewesen sein könnte, wie‘s passiert ist?“, fasst Dorn die Geschichte Roswitas, der Ehefrau des Ermordeten, an einer Stelle zusammen. Da kann sich die Kommissarin nicht zurückhalten: Ganz schön viele Zufälle, hier!

Für Milena Dreißig, die die Roswita spielt, hat die eigenwillige Rolle immerhin neue Erkenntnisse mit sich gebracht: „Ich durfte in zwei mir bis dahin verborgene Welten eintauchen. Die Welt der Thüringer Klöße und die Welt der Autobahnraststätten-Toiletten“, zitiert sie der Sender.

Nicht realitätsnah, aber unterhaltsam

Besonders realitätsnahe Szenarien dürfte wohl kaum mehr ein Zuschauer beim „Tatort“ aus Weimar erwarten. Dafür gibt es für den siebenten Fall mit dem unaufgeregten Ermittlerteam Dorn und Lessing eine Eins mit Sternchen für kreative Mordmethoden, mit denen eine Filmleiche beispielsweise granuliert wird.

Wer sich auf die konstruierte Geschichte einlässt, dem ist zumindest Unterhaltung sicher – auch dank des trockenen Wortwitzes von Kommissarin Dorn. Ob „Die robuste Roswita“ (Sonntag, 26.8., um 20.15 Uhr auf ORF 2) als Bauernschwank um Klöße, Gedächtnisverlust und einer Prise „Goodybye Lenin“ an die Erfolgsquoten des Vorgängers „Der kalte Fritte“ anknüpfen kann, gilt abzuwarten. (APA/dpa)


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