Aus USA abgeschobener SS-Mann bekam Hilfe für NS-Opfer

Der heute 95-Jährige soll nach Kriegsende in einem Lager für Überlebende der NS-Verfolgung gelebt und sich Unterstützungsleistungen erschlichen haben.

Der heute 95-jährige Jakiw Palij (hier auf einem Bild aus dem Jahr 1949) war am Dienstag abgeschoben worden.
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Berlin, Washington – Der aus den USA nach Deutschland abgeschobene frühere SS-Mann Jakiw Palij lebte laut einem Medienbericht nach Kriegsende in einem Lager für Überlebende der NS-Verfolgung in Süddeutschland und erschlich sich Unterstützungsleistungen. Das geht aus historischen Dokumenten zu sogenannten Displaced Persons im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen hervor, wie die Bild-Zeitung berichtete.

Der ITS-Forschungsleiter Henning Borggräfe sagte dem Blatt: „Jakiw Palij lebte laut der Dokumente im ITS-Archiv seit Juli 1945 zunächst in einem DP-Camp in Bamberg und später in einem Resettlement Center in Schweinfurt. Er wurde offenbar als Displaced Person anerkannt und erhielt Unterstützung für die Auswanderung in die USA.“ Demzufolge muss er seine SS-Zugehörigkeit verschwiegen haben. Zu seinen Angaben lägen aber keine Unterlagen vor, sagte der Experte.

Keine Beweise für Beteiligung an Nazi-Verbrechen

Der heute 95-Jährige war am Dienstag abgeschoben worden. Die deutsche Regierung genehmigte die Einreise, obwohl der ehemalige Wärter eines NS-Arbeitslagers im besetzten Polen kein deutscher Staatsbürger ist und auch keine Beweise vorliegen, dass er an Nazi-Verbrechen beteiligt war. Ein von der Staatsanwaltschaft Würzburg bereits früher geführtes Verfahren gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord war 2016 aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Der frühere Nazi-Kollaborateur kam in einem Pflegeheim im nordrhein-westfälischen Ahlen unter. (APA/dpa)

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