Herero-Massaker gilt als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts

Berlin (APA/AFP) - Die Massaker an den Herero und Nama im heutigen Namibia durch deutsche Kolonialtruppen gelten als erster Völkermord des 2...

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Berlin (APA/AFP) - Die Massaker an den Herero und Nama im heutigen Namibia durch deutsche Kolonialtruppen gelten als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts. Am Montag forderten Vertreter beider namibischer Volksgruppen in Berlin erneut eine Entschuldigung sowie Entschädigungen von der deutschen Bundesregierung.

Im Jahr 1904 hatte der damalige deutsche Gouverneur der Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika, Lothar von Trotha, die planmäßige Vernichtung der Volksgruppe der Herero angeordnet. Mindestens 60.000 Herero wurden daraufhin getötet. Diese hatten es zuvor gewagt, sich in dem heutigen Namibia gegen Landraub und Willkürherrschaft der deutschen Kolonialherren zu erheben.

Nach der Niederlage der Herero in der Schlacht am Waterberg drängten die deutschen Soldaten die überlebenden Männer, Frauen und Kinder in die Omaheke-Wüste und versperrten ihnen dort zugleich den Zugang zu den Wasserstellen. Viele verdursteten. Wenige Monate später erhob sich auch der Volksstamm der Nama. Bei deren brutaler Verfolgung starben etwa 10.000 Menschen. Opferverbände sprechen von 70 Prozent der Gesamtbevölkerung der Nama.

Die deutsche Bundesregierung verhandelt bereits seit vier Jahren mit der namibischen Regierung über eine Aufarbeitung der gemeinsamen Kolonialvergangenheit. Diese Gespräche könnten in eine Entschuldigung von deutscher Seite münden. Für die von Herero und Nama geforderten Entschädigungen sieht die Bundesregierung jedoch bisher keine völkerrechtliche Grundlage. Vor einem US-Bundesgericht wird seit März 2017 eine Sammelklage der Herero und Nama gegen Deutschland verhandelt.


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