Buben als Opfer: Prozess um sexuelle Übergriffe im Bezirk Gänserndorf

Korneuburg (APA) - Weil er sich seit 2012 an mehreren Buben vergangen haben soll, ist ein Weinviertler am Dienstag in Korneuburg vor Gericht...

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Korneuburg (APA) - Weil er sich seit 2012 an mehreren Buben vergangen haben soll, ist ein Weinviertler am Dienstag in Korneuburg vor Gericht gestanden. Die Anklage warf dem Ex-Lokalpolitiker aus dem Bezirk Gänserndorf u.a. schweren sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung von Unmündigen sowie Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vor. Der Mann bekannte sich nicht schuldig.

Der Mann war Anfang Februar in U-Haft genommen worden. Die ÖVP hatte sofort nach Bekanntwerden des Missbrauchsverdachts reagiert und den vormaligen Stadtrat aus der Partei ausgeschlossen.

Wie die Staatsanwältin ausführte, hatte der Beschuldigte bereits in jungen Jahren begonnen, seine Freizeit mit Kindern und Jugendlichen zu verbringen. Man spielte zusammen Fußball, ging ins Freibad und Kino, er lud sie in seine Wohnung. Seit 2005 sollen dort Buben und Burschen im Alter von sieben bis 17 Jahren ein- und ausgegangen sein. Sie spielten mit der Playstation, schauten fern und übernachteten teilweise sogar in der Wohnung. Seit damals gab es wiederholt Anzeigen von Nachbarn, die sich durch den Lärm oder das Rauchen auf dem Balkon gestört gefühlt hatten.

Laut Anklageschrift holte der Beschuldigte einige der Kids regelmäßig mit dem Auto von der Schule ab - teilweise ohne Einverständnis der Eltern, weshalb es zu mehreren Polizeieinsätzen in seiner Wohnung kam. Der Umgang des Beschuldigten mit den Minderjährigen sei „sehr ungezwungen und locker“ gewesen: Er sei nackt durch die Wohnung gegangen, habe mit ihnen zum Spaß gerauft und sie massiert. Mehrere sexuelle Übergriffe habe der Mann als „unabsichtliche Berührungen“ im Zuge dieser Spielchen getarnt, so die Anklägerin. Weitere geschlechtliche Handlungen seien zurückgewiesen worden, etwa indem seine Hand weggeschoben wurde.

Massiv belastet wurde der Beschuldigte Ende Jänner 2018 von einem heute 15-Jährigen. Dieser war neun, als es im Sommer 2012 zum ersten Missbrauch kam - laut Anklage beginnend mit Entkleiden und Onanie über Oral- bis zum erzwungenen Analverkehr. Der Bub war zuvor seit 2011 zwei- bis drei Mal die Woche zu Besuch gewesen - und allein mit dem Angeklagten in der Wohnung, als dieser „Doktor-Spiele“ vorschlug und ihn ins Schlafzimmer trug.

Der Bub habe niemandem von den - in großen zeitlichen Abständen passierenden - Übergriffen erzählt, weil er Angst hatte, dass ihm keiner glauben würde, hieß es in der Anklage. Nur seinem besten Freund vertraute er einmal an, dass ihn der Beschuldigte angegriffen habe, ging aber - so wie seine Freunde - weiter regelmäßig in die Wohnung und verbrachte im Juni 2017 zwei Wochen lang fast jede Nacht beim Beschuldigten. Dann kam es laut Anklage zum letzten massiven Vorfall. Der 14-Jährige begann, gegen seine Umgebung aufzubegehren, seine Schulnoten verschlechterten sich, er wurde aggressiv und beging Diebstähle. Als er im September nach der Schule erneut nicht nach Hause kam, wandten sich seine Eltern an die Behörden. Da ihr Sohn jedoch keine belastenden Angaben machte, wurde der Angeklagte lediglich ermahnt.

Am 25. Jänner 2018 wurde der 14-Jährige wegen diverser Diebstähle in der NMS (Neue Mittelschule) einvernommen. Dabei entdeckten die Beamten auf seinem Mobiltelefon eine Nachricht an den Beschuldigten mit der Drohung, „zur Polizei zu gehen und alles, aber wirklich alles zu sagen“. Danach befragt, habe der Jugendliche zunächst ausweichend geantwortet, dann aber die Übergriffe geschildert.


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