Anerkennendes Lächeln zum Finale

Eine feine Mischung aus Konzerten und Arien Vivaldis bildete den Schlusspunkt der 42. Innsbrucker Festwochen. Diese erreichten eine Auslastung von 95 Prozent.

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© Felix Scharnagl

Von Markus Schramek

Innsbruck –Ein Lächeln huschte über das Gesicht von Violinist Louis Creac’h. Gefühlvoll die Saiten des eigenen Instruments bearbeitend, lauschte er dem energiegeladenen Vortrag von Mezzosopranistin Lea Desandre. „Formidable!“, mag sich der Franzose dabei anerkennend gedacht haben: „Ganz toll.“ Denn zum Finale der Festwochen der Alten Musik wurden Montagabend im Riesensaal der Innsbrucker Hofburg noch einmal barocke Gustostückerln aus der Feder von Komponisten-Genius Antonio Vivaldi kredenzt.

Desandre, heuer schon bei den Salzburger Festspielen auf der Opernbühne im Einsatz („L’incoronazione di Poppea“), erfüllte, obwohl zierlich von Gestalt, den großen Saal mit Charakter und Ausdrucksstärke. Die besungene verlorene Liebe oder Eifersucht wirkte wie greifbar.

Creac’h und seine Kollegenschaft vom Ensemble Jupiter lieferten dazu den herzhaften Soundtrack. Ein Ensemble im besten Sinn, harmonisch und sich als Team verstehend, mit reichlich Blickkontakt zu den Co-Musikern und die Bandbreite des Klanglichen nützend: tieftraurig und sentimental das Largo, peppig und tanzfidel das Allegro, barocker Schönstklang eben.

Peter Whelan, hochdekorierter Fagottist, hatte beim Concerto für Fagott Nr. 23 in g-Moll RV 495 seinen Auftritt – und was für einen: Solopartie­n dieser Güte bekommt man via Fagott eher selten serviert. Ein Genuss und Höhe­punkt des Abends.

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Das hin- und mitgerissene Publikum wollte die Barockvirtuosen nach dem letzten Takt des offiziellen Programms so gar nicht in den Abend entlassen. Was als­o tun? Da wird die Not zur Tugend. Lea Desandre sang eine schon gehörte Arie ein zweites Mal. Solchen Künstlern verzeiht man alles.

Grund für ein Lächeln haben aber auch die Veranstalter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Sie können sich mit dem großen Nachbarn Salzburger Festspiele um die Wette freuen (sieh­e Artikel links): 95 Prozent betrug die Auslastung aller Festwochen-Veranstaltungen – Opern, Konzerte, Rahmenprogramm. Fast 10.000 zahlende Besucher und dazu noch 18.500 Nutzer des freien Angebots wurden registriert.

Festwochen-Chef Alessandro De Marchi will angesichts dieser Bilanz klarerweise Kurs halten und weiterhin solche Stücke auf die Bühne bringen, die als vergessen galten. Es ist dies ein Wagnis, auf das sich Freunde der Alten Musik offenbar einlassen.


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