88-Jähriger 1.500 Euro geraubt: Zwei Teenager in Salzburg vor Gericht

Salzburg (APA) - Zwei 16-jährige Burschen sind am Mittwoch wegen Raubes an einer 88-jährigen Pensionistin in Salzburg vor Gericht gestanden....

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Salzburg (APA) - Zwei 16-jährige Burschen sind am Mittwoch wegen Raubes an einer 88-jährigen Pensionistin in Salzburg vor Gericht gestanden. Der Georgier und der Syrer sollen die Frau beobachtet haben, wie sie am 11. Juni in einem Geldinstitut beim Salzburger Hauptbahnhof 1.500 Euro behob. Auf dem Heimweg soll ihr der Georgier auf Aufforderung des Syrers die Handtasche entrissen und sie dabei verletzt haben.

Der Georgier zeigte sich vor dem Jugendschöffensenat am Landesgericht Salzburg unter Vorsitz von Richter Christian Ureutz geständig und belastete seinen damaligen Freund. Der Syrer beteuerte jedoch seine Unschuld. Er habe zwar den Georgier auf die Bank begleitet, weil dieser Geld benötigt habe. Eine betagte Dame mit Gehstock habe er in der Filiale nicht gesehen. Warum Fotos aus der Überwachungskamera ihn beim Verlassen des Schalters zeigen, konnte er sich auf Nachfragen des Richters nicht erklären. Er habe sich doch nur beim Wartebereich vor der Türe aufgehalten, betonte der Angeklagte.

Anschließend sei er noch mit dem Georgier in den Bus gestiegen, er habe aber zu sich nach Hause wollen und sei deshalb früher als sein Freund ausgestiegen. Laut Anklage betrat die Pensionistin nach der Geldbehebung das öffentliche Verkehrsmittel. Die beiden Beschuldigten folgten ihr, stiegen mit ihr an der gleichen Bushaltestelle im Stadtteil Lehen aus und setzten sich an ihre Fersen. Kurz vor ihrer Wohnung riss ihr der Georgier gewaltsam die Handtasche von der Schulter, in der sich ein blaues Bankkuvert mit den behobenen 1.500 Euro und auch eine Geldbörse mit 100 Euro befanden.

Die Frau erlitt durch das Herunterreißen der Tasche ein Hämatom am rechten Arm. Die Täter flüchteten, wurden aber von einem Zeugen beobachtet und wenig später von der Polizei gestellt. Die 1.500 Euro in dem Kuvert waren allerdings verschwunden. Dafür hatte der Georgier eine Erklärung. Er habe das Kuvert mit dem Geld aus der Handtasche gezogen, die Tasche weggeworfen und das Kuvert in seine Hose gesteckt. „Das Sackerl ist mir dann aus meiner Hose rausgefallen“, schilderte der 16-Jährige. Die 85 Euro, die Polizisten in seiner Unterhose entdeckten, habe er aus der Geldbörse der Pensionistin gezogen, erklärte er.

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Er schäme sich jetzt für die Tat, sagte der Georgier kleinlaut. Die Idee dazu habe aber sein Freund gehabt. Als sie gesehen hätten, wie viel Geld die Frau abhob, habe dieser gemeint, er brauche Geld. „Er sagte, wir folgen jetzt der Frau.“ Nachdem sie aus dem Bus gestiegen waren, habe er dem Syrer seinen Rucksack gegeben und sei der Frau langsam nachgegangen. Er habe ihr dann die Handtasche nicht heruntergerissen, sondern „leicht weggenommen, sie hat die Tasche nicht gehalten“. Dass ihn dann später während der Einvernahme durch die Polizei der Syrer angerufen und nach dem Geld gefragt habe, daran konnten sich weder er noch der Zweitangeklagte erinnern.

Dem Syrer wurden noch andere Delikte vorgeworfen. Er soll einen Mann dazu genötigt haben, ihm dessen Handy auszuhändigen, und einem anderen Mann 100 Euro Bargeld gestohlen haben. Auch zu diesen Vorwürfen bekannte er sich nicht schuldig. Belastende Zeugenaussagen bestritt er. „Das heißt im Umkehrschluss, es lügen viele andere Leute“, gab der Richter zu bedenken. Gegen den Syrer ist noch ein anderes Gerichtsverfahren anhängig.

Der Georgier ist schon mehrmals vor Gericht gestanden, er ist derzeit in der Justizanstalt Salzburg inhaftiert. Im Falle eines Schuldspruches drohen den Burschen eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren Haft. Vermutlich wird noch heute ein Urteil gesprochen.


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