Frühere Bosnien-Sonderbeauftragte warnen vor Kosovo-Grenzänderungen

Brüssel (APA) - Drei frühere internationale Bosnien-Beauftragte haben sich am Mittwoch in einem offenen Brief an die EU gegen Kosovo-Grenzän...

Brüssel (APA) - Drei frühere internationale Bosnien-Beauftragte haben sich am Mittwoch in einem offenen Brief an die EU gegen Kosovo-Grenzänderungen ausgesprochen. „Grenzkorrekturen“ würden Probleme nicht lösen, sondern sie viel mehr „vertiefen“ heißt es in dem Schreiben von Carl Bildt, Paddy Ashdown und Christian Schwarz-Schilling an die EU-Außenbeauftrage Federica Mogherini und die EU-Außenminister.

Die Unterzeichner zeigen sich „tief“ darüber „besorgt“, dass hohe EU-Vertreter in Aussicht gestellt haben, eine neue Grenzziehung zwischen Kosovo und Serbien unter Umständen zu unterstützen. Auch wenn man den Kosovo nicht mit Bosnien vergleichen könne, würde ein solches Abkommen auch Auswirkungen auf die Entwicklungen in Sarajevo haben: „Wir kennen Bosnien und Herzegowina gut genug, um zu wissen, dass dies jenen Kräften Auftrieb geben würde, die das Land aufspalten wollen“, heißt es in dem Schreiben. Man kenne auch Europa und seine „blutige Geschichte“ gut genug, um zu wissen, dass dauerhafter Frieden nur dann zu erreichen sei, wenn man „in multi-ethnischen Gemeinschaften“ zu leben lerne, anstatt Grenzen neu zu zeichnen. Denn dies könne zu einer Rückkehr „zu Teilung und Konflikt auf dem Balkan“ führen und außerdem separatistische Tendenzen in anderen Regionen befeuern.

Hintergrund der Warnung sind jüngste Äußerungen der Präsidenten Serbiens und des Kosovo, die beinahe zeitgleich das Grenz-Thema aufs Tapet brachten. Serbiens Präsident Aleksander Vucic sprach sich für „eine Grenzziehung mit den Kosovo-Albanern“ aus, ohne seine Idee näher zu erklären. Kosovos Präsident Hashim Thaci sprach von einer „Grenzkorrektur“, worunter er den Anschluss von drei südserbischen Gemeinden an den Kosovo verstand.

EU-Erweiterungskommissar Hahn begrüßte die Bemühungen um eine Lösung zwischen Prishtina und Belgrad, forderte aber gleichzeitig, das mögliche Abkommen müsse auch die internationale Gemeinschaft überzeugen und dürfe „keine Blaupause“ für die Region sein. Damit spielte er wohl auch auf Bosnien-Herzegowina mit seinem mehrheitlich von Serben bewohnten Landesteil Republika Srpska an, wo die politischen Führer dem Separatismus das Wort reden.

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Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sagte, Österreich werde einem friedlichen Grenzabkommen nichts entgegenstellen. Skepsis zu den Plänen zwischen Kosovo und Serbien kam zuletzt vor allem aus Deutschland.


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