„Ruhe im Kopf“: Verein unterstützt geflüchtete traumatisierte Schüler

Wien (APA) - Er könne erst wieder richtig zur Schule gehen, wenn „Ruhe im Kopf“ herrscht - so drückte es ein Teilnehmer an einem Traumabewäl...

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Wien (APA) - Er könne erst wieder richtig zur Schule gehen, wenn „Ruhe im Kopf“ herrscht - so drückte es ein Teilnehmer an einem Traumabewältigungstraining von „AFYA - Verein zur interkulturellen Gesundheitsförderung“ aus. Mit einer Förderung des Außenministeriums ausgestattet, kann der Verein ab Herbst im Raum Wien nun zusätzliche Kurse anbieten, sagte AFYA-Obfrau Sabine Kampmüller zur APA.

Genauere Zahlen, wie viele traumatisierte Kinder und Jugendliche es unter Flüchtlingen gibt, gebe es nicht. Internationale Schätzungen gingen allerdings in Richtung ein Drittel posttraumatisch Belasteter in dieser Gruppe aus. Umgelegt auf Wien seien das schon einige Tausend, so Kampmüller.

Im Unterricht äußere sich das oft darin, dass sich Schüler schlecht konzentrieren können und ihnen das Lernen entsprechend schwer falle. Gerade nach der Flucht, wenn es darum geht, eine neue Sprache zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen, sei das umso hinderlicher, so die Expertin, die lange Zeit für „Ärzte ohne Grenzen“ tätig war.

Die Trainings, die der Verein anbietet, richten sich an Geflüchtete zwischen acht und fünfzehn Jahren. Für ein Gelingen brauche es in erster Linie das Gefühl tatsächlich in Sicherheit zu sein sowie ein stabiles soziales Umfeld. Dazu kommen dann gezielte Hilfsmaßnahmen, wie sie das Team aus Ärzten, Psychologen, Gesundheitsexperten und Menschen, die die Muttersprachen vieler Flüchtlinge sprechen, anbietet. In letzter Konsequenz könne dann noch Psychotherapie dazukommen, was man im Zuge der Trainings jedoch nicht leisten könne.

„Wir setzen also in der Ebene darunter an, in dem wir fokussierte Programme zur Stärkung der Selbstwirksamkeit anbieten“, betonte Kampmüller. Es gehe primär darum, „Werkzeuge zu vermitteln, die eigenen Emotionen erstens zu verstehen und zweitens unter Kontrolle zu bekommen.“

Das Programm läuft über sechs Wochen, in denen das Team einmal pro Woche an die Schule kommt. Thematisch wähle man jedes Mal einen anderen Zugang. Vielfach gehe es darum, darüber zu sprechen, was mit den jungen Leuten passiert ist und wie sie sich das auf ihre Gefühlswelt, auf Stress- und Angstreaktionen auswirkt. „Wir sind sehr fokussiert auf die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen“, sagte Kampmüller.

Im vergangenen Schuljahr habe man bereits gute Erfahrungen mit dem Ansatz gemacht. Da man direkt an die Schulen gehe, bedeutet eine Teilnahme relativ wenig Aufwand für die Kinder und Familien. Damit falle eine häufige Hürde weg. Kampmüller: „Die Schule hat sich als ganz tolles Setting erwiesen.“

Aufgrund der Förderung im Rahmen des nationalen Aktionsplans für Integration könne man das Angebot nun „wirklich aufstocken“. Man habe jetzt Kapazitäten für bis zu acht Gruppen im Großraum Wien und Umgebung. Bisher gebe es erst zwei Fixstarter. Im Zuge der Einrichtung der Deutschförderklassen werde Schulleitern vermutlich auch stärker bewusst, ob es an ihrem Standort Bedarf für Traumabewältigungstrainings gibt.

(S E R V I C E - Weitere Informationen zu dem Angebot: www.afya.at)


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