Kosovarischer Außenminister: Gebietskorrekturen sind „lächerlich“

Prishtina (Pristina) (APA) - Der kosovarische Außenminister Behgjet Pacolli hat sich klar gegen jede Grenzänderung zwischen dem Kosovo und S...

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Prishtina (Pristina) (APA) - Der kosovarische Außenminister Behgjet Pacolli hat sich klar gegen jede Grenzänderung zwischen dem Kosovo und Serbien ausgesprochen. „Für mich ist es lächerlich, heutzutage über Grenzen zu sprechen“, sagte Pacolli am Freitag im Haus der Europäischen Union kurz vor einem Treffen mit den EU-Außenministern am Nachmittag in Wien. Er sprach sich für eine Freihandelszone zwischen den beiden Ländern aus.

„Lasst uns das Gebiet im Nordkosovo und Teile des serbischen Territorium zusammentun und eine große gemeinsame wirtschaftliche Zone schaffen“, forderte er. Das Problem zwischen Serbien und dem Kosovo könne „nur wirtschaftlich gelöst werden, nicht politisch“, also indem man die Lebenssituation der Menschen verbessere und nicht indem man über Grenzen spreche und die Menschen spalte. „Für die Menschen ist es nicht wichtig, ob sie in Serbien oder dem Kosovo leben“, viel wichtiger sei ihre wirtschaftliche Situation, so der kosovarische Außenminister.

Der Kosovo habe nicht hundert Prozent Kontrolle über das mehrheitlich serbische Gebiet im Norden des Landes. Aber wenn man sage, „wir geben ihnen (Serbien, Anm.) den Norden, was ist dann mit den Serben in den anderen Teilen das Landes?“, so Pacolli. Der Kosovo sei ein multi-ethnischer Staat. Er räumte ein, dass es über die Frage durchaus Unstimmigkeiten zwischen ihm und Präsident Hashim Thaci gebe. „Ich habe mit Präsident Thaci gesprochen, aber wir haben die Diskussion noch nicht beendet.“

Die Europäische Union forderte er auf, bei den Verhandlungen die Initiative zu übernehmen. Es sei nicht gut, Serbien und den Kosovo alleine verhandeln zu lassen. „Wir sind zehn Jahre alt, aber wir brauchen Unterstützung in dieser Frage“, sagte er, ebenso wie man auch zehnjährige Kinder nicht ganz alleine lassen könne.

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Zuletzt hatten Aussagen der Präsidenten des Kosovo und Serbiens, Thaci und Aleksandar Vucic, über mögliche Grenzänderungen oder einen Gebietstausch für Aufregung gesorgt. Thaci sprach im APA-Interview von einer möglichen Grenzkorrektur, im Konkreten nannte er drei mehrheitlich albanische südserbische Gemeinden - Presevo, Bujanovac und Medvedja. Von den USA und einigen europäischen Politikern kamen zunächst vorsichtige positive Signale. Andere - allen voran Deutschland - und Experten warnten dagegen, dass eine derartige Lösung alte Konflikte und neue Begehrlichkeiten in anderen Staaten der fragilen Region - vor allem in Bosnien und Herzegowina und Mazedonien - schüren würde.

(Bild vom 26.8.2018)


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