Manfred Weber - Aus Niederbayern auf die große europäische Bühne

Brüssel/Berlin (APA/AFP) - Seit 14 Jahren ist Manfred Weber im Europaparlament. Der CSU-Mann arbeitete sich vom einfachen Abgeordneten bis z...

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Brüssel/Berlin (APA/AFP) - Seit 14 Jahren ist Manfred Weber im Europaparlament. Der CSU-Mann arbeitete sich vom einfachen Abgeordneten bis zum Vorsitzenden der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) hoch. Dem 46-Jährigen werden schon lange Ambitionen auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten nachgesagt.

Nun soll er von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Rückendeckung für die Kandidatur als „Spitzenkandidat“ der europäischen Konservativen bei der Europawahl 2019 bekommen haben. Ob dies tatsächlich zum Sprungbrett für die Nachfolge von Kommissionschef Jean-Claude Juncker wird, ist aber ungewiss.

Weber kam am 14. Juli 1972 in Niederhatzkofen zur Welt, Der Diplomingenieur zog 2002 als damals jüngster Abgeordneter in den bayerischen Landtag ein. In Sachen Europa ist Weber ein Überzeugungstäter. Als er 2004 als Abgeordneter im EU-Parlament einzog, galt Brüssel noch als Ort für abgehalfterte Politiker, die zuhause nichts werden konnten.

„Ich habe mich damals aktiv für die europäische Ebene entschieden, weil sie für mich die Zukunftsebene in der Politik schlechthin ist“, sagt dagegen Weber. In Bayern baute er sich parallel gezielt eine Hausmacht auf: Von 2003 bis 2007 war er bayerischer JU-Chef. Von 2008 bis 2016 war er Bezirkschef der CSU in Niederbayern.

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Im Europawahlkampf 2014 setzte sich der Niederbayer deutlich von den schrillen Tönen der CSU in Sachen EU ab. Schon davor galt er inhaltlich eher Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) näher als CSU-Chef Horst Seehofer. Die EVP-Abgeordneten wählten ihn dann mit klaren 190 von 192 Stimmen an die Spitze der stärksten Fraktion im Parlament.

Auch beim politischen Gegner ist Weber ein für seine Sachlichkeit geschätzter Mann. Die herausgehobene Position in Brüssel mit entsprechender Medienpräsenz brachte auch in Bayern Schwung in seine Parteikarriere. 2015 wurde Weber stellvertretender Parteivorsitzender der CSU.

Viele in Brüssel sahen aber lange ein großes Manko in Webers Biografie: Denn der Kommissionspräsident war seit den 1990er Jahren immer ein ehemaliger Regierungschef. Doch Weber weiß, dass dies formal keine Voraussetzung für den Posten an der Spitze der riesigen EU-Behörde mit 32.000 Mitarbeitern ist. Und als EVP-Fraktionsvorsitzender nimmt Weber auch an den Treffen der konservativen Staats- und Regierungschefs vor den EU-Gipfeln teil.

Schon im Mai legte Weber offenbar in einer Fraktionssitzung seine Karten auf den Tisch: „Den Kommissionschef zu stellen, so eine Chance gibt es für die CSU so schnell nicht wieder“, zitierte ihn der „Spiegel“.

Nun ist die Zeit gekommen, öffentlich den Hut in den Ring zu werfen. Anfang September beginnt die Frist für Kandidaturen bei der EVP. Im November wollen die Konservativen auf einem Kongress in Helsinki ihren „Spitzenkandidaten“ küren.

„Focus“ und „Passauer neue Presse“ meldeten nun, Merkel habe Weber grünes Licht gegeben. Laut „Spiegel“ kündigte er gegenüber Parteifreunden an, seine Kandidatur in Kürze vor der Fraktion zu erklären.

Dann müsste er sich genug Rückhalt verschaffen, um mögliche Gegenkandidaten in der EVP auszustechen. Dort werden auch Brexit-Verhandlungsführer Michel Barnier und Irlands Ex-Regierungschef Enda Kenny als mögliche Kandidaten genannt.

Aber selbst wenn es Weber auf der EVP-“Krönungsmesse“ im November zum Spitzenkandidaten schafft und die Konservativen bei der Europawahl im Mai 2019 wieder stärkste Kraft im Parlament werden, ist ihm der Posten als Kommissionspräsident alles andere als sicher.

Die EU-Staats- und Regierungschefs stellten bei ihrem Gipfel im Februar klar, dass es „keinen Automatismus“ in der Frage geben werde. Sie pochten auf die EU-Verträge, wonach sie das alleinige Vorschlagsrecht haben - wenn auch unter Berücksichtigung des Ergebnisses „der Wahlen zum Europäischen Parlament“.


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