„Kindergarten für alle“ lebt die Inklusion seit 40 Jahren

1978 eröffnete in Innsbruck der erste Integrationskindergarten Österreichs. „In jedem von uns steckt Potenzial“, ist die pädagogische Leiterin sicher.

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Kinder mit und ohne Behinderung lernen und spielen im „Kindergarten für alle“ selbstverständlich miteinander.
© Kindergarten für alle

Von Michael Domanig

Innsbruck –Von „Chaoskindergarten“ bis „elitäre Erziehungseinrichtung“ reichten die Reaktionen der Öffentlichkeit, als in Innsbruck am 11. September 1978 der erste Integrationskindergarten in ganz Österreich eröffnet wurde. Nun feiert der „Kindergarten für alle“, längst eine allgemein anerkannte Einrichtung, sein 40-jähriges Bestehen.

Im Bereich des Pädagogikstudiums an der Uni Innsbruck hätten sich damals innovative Studierende und Dozenten zusammengefunden, „die mehr integrieren, also das Gemeinsame leben, und nicht separieren wollten“, meint die heutige pädagogische Leiterin des Kindergartens, Sindy Rammler. Eine Studentengruppe erarbeitete zusammen mit Ergo-, Logo- und anderen Therapeuten ein entsprechendes Konzept. 1978 war es schließlich so weit: Der elternbasierte „Verein zur Förderung integrativer Vorschulerziehung“ startete in der Sonnenburgstraße mit einer Kindergartengruppe.

Trotz anfänglicher Widerstände sprach sich die Idee schnell herum, der Kindergarten wuchs rasch. 1989 erfolgte der Umzug in die Franz-Fischer-Straße, seit 2012 ist der „Kindergarten für alle“ in – barrierefreien – Räumlichkeiten in der Wiltener Neuhauserstraße zu finden.

Bis heute handelt es sich um eine rein private, vereinsgetragene Einrichtung – die aber, im Gegensatz zu den Anfangstagen, längst von Stadt und Land gefördert wird. Hinzu kommen Elternbeiträge.

Neben Inklusion liegt der Fokus auf Ernährung, Kreativität und Bewegung – etwa auch im Wald.
© Kindergarten für alle

Inzwischen umfasst der Kindergarten 40 Kinder in drei Gruppen, wobei in jeder Gruppe drei Kinder mit Förderbedarf betreut werden – je zwei pädagogische Fachkräfte pro Gruppe sind im Einsatz.

Für Rammler gibt es nur Vorteile, wenn alle Kinder, mit und ohne Behinderungen, zusammen sind. „In jedem von uns steckt Potenzial, das gelebt werden kann und darf. In der Gemeinsamkeit findet man am besten heraus, welche Fähigkeiten wir in uns haben, die dann gefördert werden können.“

Bei Kindern, die in einem integrativen Kindergarten aufwachsen, sei „viel mehr Akzeptanz, Toleranz, Mitgefühl, vor allem aber Gelassenheit gegenüber anderen festzustellen, die sich in puncto Aussehen, Sprache etc. unterscheiden“.

Die Pädagoginnen würden laufend geschult, um sich individuell auf die Kinder einstellen zu können, so Rammler, etwa wenn Kinder mit Epilepsie oder Diabetes in die Gruppe kommen. Auch das Küchenpersonal ist speziell ausgebildet – schließlich sind bestimmte Beeinträchtigungen oft auch mit Stoffwechselerkrankungen verbunden. Zudem sind drei selbstständig arbeitende Therapeutinnen im Haus tätig, die die Kindergartenräume nützen können. „Sie können sich die Kinder nicht nur einzeln, sondern auch in der Gruppensituation ansehen“, erklärt Rammler. Zweimal im Jahr gebe es gemeinsame Sitzungen von Pädagogen, Therapeuten und Eltern, „bei denen man schaut, wo das Kind steht“.

Neben der Inklusion liege der Schwerpunkt auch auf Kreativität und Bewegung: Einmal pro Woche geht es gemeinsam in den Wald, bei Sommer- und Winterspielwochen ist man sogar täglich draußen. In der Sonnenburgstraße steht ein herrlicher Garten, ein Grundstück der Stadt, zur Verfügung – direkt neben dem ersten Kindergartenstandort von 1978.

Apropos: Das 40-Jahr-Jubiläum wird am Samstag, den 8. September, ab 14 Uhr mit einem lustigen Straßenfest in der Neuhauserstraße gefeiert. Mit dabei sind das Clownduo Herbert & Mimi, der Spielbus der Kinderfreunde und mehr.


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