Fragen und Antworten zum Start des deutschen Ausbildungsjahrs
Berlin (APA/dpa) - Gut 500.000 Jugendliche beginnen dieser Tage in Deutschland ihre Ausbildung. Doch auf dem Ausbildungsmarkt erwarten sie a...
Berlin (APA/dpa) - Gut 500.000 Jugendliche beginnen dieser Tage in Deutschland ihre Ausbildung. Doch auf dem Ausbildungsmarkt erwarten sie auch zahlreiche Probleme. Regelmäßige Überstunden und reichlich Druck vom Chef - viele Lehrlinge klagen über harte Bedingungen in der Lehre.
An diesem Montag will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit seinem Ausbildungsreport 2018 einen aktuellen Überblick geben. Von der Politik erwarten die Gewerkschafter die rasche Umsetzung angekündigter Reformen.
Wie ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt aktuell?
Die deutsche Bundesagentur für Arbeit erwartet, dass es 2018 wohl erstmals seit Jahren weniger Bewerber als Stellen in der betrieblichen Ausbildung gibt. So wurden bis Juli 531.426 Lehrstellen fürs neue Ausbildungsjahr gemeldet, aber nur 501.878 Interessenten. Denn die Schülerzahlen sinken - der Bedarf der Firmen an Mitarbeitern steigt. Die beliebtesten Ausbildungen: eine Lehre im Einzelhandel, als Kaufleute für Büromanagement, Verkäufer, Kraftfahrzeugmechatroniker und Industriekaufleute.
Wie viele Bewerber blieben vergangenes Jahr unversorgt?
Laut Berufsbildungsbericht waren es 24.000. Dabei stieg die Zahl der Ausbildungsverträge um 3.000 auf 523.300. Weniger als jeder fünfte Betrieb bildet aus. Die Zahl der unbesetzt gebliebenen betrieblichen Ausbildungsstellen stieg auf knapp 49.000.
Was plant die deutsche Regierung?
Die deutsche Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will die berufliche Ausbildung stärken. So sollen kleine Betriebe, in denen die Ausbildungsquote zurückgegangen ist, dabei unterstützt werden, eine Ausbilder-Eignung zu machen und Lehrstellen anzubieten. Laut Koalitionsvertrag soll die berufliche Bildung mit einem Berufsbildungspakt modernisiert werden. Das Berufsbildungsgesetz soll reformiert, eine Mindestausbildungsvergütung verankern werden.
Wie hoch ist die Abbrecherquote?
Laut Berufsbildungsbericht brach zuletzt jeder vierte Lehrling seine Ausbildung ab, allerdings wechseln die Azubis (Lehrlinge) in rund der Hälfte dieser Fälle auf einen anderen Ausbildungsplatz. Der Anteil reiner Abbrüche lag bei 12 bis 13 Prozent.
Welche Probleme gibt es laut den Gewerkschaften?
Der Ausbildungsreport des DGB vom vergangenen Jahr zeigte: Regelmäßige Überstunden und großer Druck vom Chef verleiden vielen Auszubildenden (Azubis) ihre Ausbildung. Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe klagen viele Azubis über die Zustände. Insgesamt leistet mehr als ein Drittel der Azubis regelmäßig Überstunden. Für mehr als jeden dritten Lehrling gibt es keinen betrieblichen Ausbildungsplan. Mehr als jeder Zehnte übt regelmäßig ausbildungsfremde Tätigkeiten aus.
Sind die Azubis überwiegend unzufrieden mit ihrer Lehre?
Nein. Insgesamt waren laut Ausbildungsreport 2017 rund 72 Prozent der Azubis mit ihrer Lehre sehr zufrieden oder zufrieden. 22 Prozent der Auszubildenden waren teilweise zufrieden, 6 Prozent unzufrieden.
Was fordert der DGB?
DGB-Vize Elke Hannack drängt darauf, dass Karliczek Dampf macht mit der Reform des Berufsbildungsgesetzes. „Dreh- und Angelpunkt für eine moderne Berufsbildung sind gute und engagierte Ausbilderinnen und Ausbilder in den Betrieben“, sagt sie. Sie müssten durch ein Recht auf Weiterbildung gestärkt werden - auch wegen der Digitalisierung und zur Erhöhung interkultureller Kompetenzen.
Was verlangt der DGB beim Geld?
Als Mindestvergütung für Azubis fordert Hannack im ersten Ausbildungsjahr 635 Euro im Monat. Laut aktuellen DGB-Eckpunkten für eine solche Mindestvergütung soll diese für das zweite Ausbildungsjahr dann bei 696 Euro liegen, für das dritte Jahr bei 768 Euro und für das vierte Jahr bei 796 Euro. Laut Ausbildungsreport 2017 verdienten Mechatroniker in der Ausbildung in Westdeutschland zuletzt beispielsweise durchschnittlich 1.027 Euro - mehr als doppelt so viel wie Friseure (523 Euro).
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