Bayerischer Wahlkampf mit Bier und Verbalattacken

Auf einer Festwiese in Niederbayern sind CSU, Grüne, AfD, SPD, FDP und Freie Wähler gestern in den bayerischen Wahlkampf gestartet.

Makurs Söder (CSU) beim Wahlkampf im Bierzelt.
© AFP

Abensberg –Bier aus Pappbechern, keine Musik und nasskaltes Wetter sind – wenige Meter entfernt von den warmen Bierzelten auf der Gillamoos-Festwiese in Niederbayern – wenig einladend. Trotzdem strömen mehr als 600 Menschen auf die Wiese. Sie alle wollen hören, was die AfD zu sagen hat. „Wir stehen in Bayern vor einer Schicksalswahl“, ruft wenig später die niederbayerische AfD-Spitzenkandidatin Katrin Ebner-Steiner den Zuhörern zu. Lauter wird es erst, als die Redner – allen voran Parteichef Jörg Meuthen – über Multikulti und das „Staatsversagen“ schimpfen.

Was folgt, ist eine Generalabrechnung mit der CSU („Die AfD ist die Strafe Gottes für die CSU.“), mit den Medien, der Bundesregierung. Bei der Wahl am 14. Oktober dürfte den Rechtspopulisten der Einzug in den Landtag kaum noch zu nehmen sein. Bis zu 14 Prozent erreicht die Partei, die sich als einzige wegen interner Querelen nicht auf einen landesweiten Spitzenkandidaten einigen konnte, in Umfragen.

Für die CSU und Spitzenkandidat Markus Söder bedeutet eine starke AfD ein veritables Problem: Die absolute Mehrheit dürfte weg sein. Nur noch 36 Prozent waren es zuletzt. Euphorie ist im CSU-Zelt deshalb nicht zu spüren, auch wenn Söder viel Beifall bekommt. In seiner Rede verteidigt er einerseits den harten Kurs in der Flüchtlingspolitik, andererseits versucht er, sich als kümmernder Landesvater zu geben. Familiengeld, Pflegegeld – so etwas gebe es nur in Bayern. „Bayern ist Sprungbrett und Schutzschild, Bundesländer wie Berlin sind dagegen die Resterampe der Republik“, spottet er.

Und doch wird sich Söder in wenigen Wochen aller Voraussicht nach nach mindestens einem Koalitionspartner umschauen müssen – zu seinem Unmut. „Das Einzige, was die wollen, sind Dienstwägen und Ministerämter“, lästert er mit Blick auf die Freien Wähler und die FDP. Besonders scharf grenzt sich Söder aber von den Grünen ab. Beim Thema Integration und Zuwanderung etwa sei deren Geschichte „ein einziger großer historischer Irrtum“.

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Das Tief der CSU und der AfD-Einzug könnten ein bürgerliches Dreierbündnis notwendig machen: Nur mit FDP und Freien Wählern kann die CSU im Moment eine Stimmenmehrheit erreichen. „Wir werden wohl oder übel versuchen müssen, bei der CSU zu retten, was noch zu retten ist. Und denen eine Kurskorrektur aufzwingen“, fasst es Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger zusammen. „Die Zeiten der Alleinherrschaft sind in Bayern vorbei, und das ist gut so“, betont FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen.

Und doch eine große Koalition? Damit will sich die SPD auf dem Gillamoos nicht herumschlagen, zu tief sitzen noch die Erinnerungen an die Bundestagswahl, die die SPD wieder in eine Koalition zwang. Spitzenkandidatin Natascha Kohnen weiß, es geht um die Existenz. Die Bayern-SPD liegt bei 13 Prozent.

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man den Grünen dank ihrer rund 17 Prozent in Umfragen nicht vorwerfen. Ex-Parteichef Cem Özdemir hat neben Spitzen gegen Söder vor allem eine Botschaft: „Der Gegner sitzt nicht in anderen demokratischen Parteien.“ Der Gegner sei weiter rechts zu finden, bei Rechtsextremen und den Rechtspopulisten von der AfD. (TT, dpa)


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