Informeller Jugendrat - Hohe Erwartungen und Ungeduld bei Jungen

Wien (APA) - Ungewöhnlich junges Publikum tummelt sich am Montag in den Gängen des Austria Center Vienna. Etwa 240 Jugendvertreter aus allen...

Wien (APA) - Ungewöhnlich junges Publikum tummelt sich am Montag in den Gängen des Austria Center Vienna. Etwa 240 Jugendvertreter aus allen 28 EU-Staaten sind seit Sonntag in Wien, um über die Zukunft der Jugend in der Union zu diskutieren.

Für die meisten ist es nicht das erste Mal, dass sie im Rahmen einer EU-Jugendkonferenz zusammentreffen. Dieses Mal geht es für sie aber um besonders viel. Erstmals in der Geschichte der EU-Jugendkonferenzen, die seit 2010 stattfinden, treffen die Jugendvertreter direkt auf die Jugendminister - beziehungsweise auf deren Vertreter -, um ihnen ihre Anliegen auseinanderzusetzen. Im Speziellen geht es um die Umsetzung der sogenannten „Youth goals“, elf Jugendziele, die im Rahmen des von der Kommission unterstützten Strukturieren Dialogs erarbeitet wurden und im April in Sofia verabschiedet wurden.

Die Erwartungen an den „Youth Dialogue“ („Jugend-Dialog“), der am Montagnachmittag während des informellen Jugendrats über die Bühne geht, hängen hoch, die Ungeduld ist groß. „Ich erwarte mir sehr viel von diesem Treffen“, sagt der 27-jährige Frederic aus Belgien. „Es ist höchste Zeit, etwas für die Jungen zu tun.“ Besonderes Augenmerk gilt konkreten Maßnahmen, um die „Youth goals“ auch tatsächlich in der europäischen Politik zu implementieren. Denn die Jugendziele seien breit gefasst, und die Gefahr dass daraus so etwas wie ein „Papiertiger“ werden könnte, „sehen hier alle auf der Jugendkonferenz“, meint Frederic.

Auf keinen Fall dürfen die Jugendziele „nur auf dem Papier“ bestehen bleiben, findet auch die 25-jährige Sophie von der Bundesjugendvertretung. Deswegen diskutiere man in Wien intensiv über konkrete Schritte. „Wir suchen uns ein spezielles Problem und versuchen, es zu lösen“, sagt die 23-jährige Lariane aus Irland. Das Wissen der europäischen Jugendvertreter helfe dabei, Verbündete auf politischer Ebene zu finden. In einem bestimmten Bereich sei vielleicht jener Minister aus diesem Land gesprächsbereit, bei einem anderen habe diese Politikerin aus jenem Land ein offenes Ohr, erklärt Lariane das Vorgehen.

Die Jugendziele decken ein sehr breites Themenspektrum von Nachhaltigkeit, über politische Partizipation bis hin zu ländlicher Entwicklung ab. Suzie (20) aus dem Noch-EU-Land Großbritannien widmet sich dem Thema psychische Gesundheit, weil sie der Meinung ist, dass psychischen Krankheiten nach wie vor ein Stigma anhaftet. Sophie findet das Thema Geschlechtergerechtigkeit zentral. Ähnlich empfindet das auch Lariane, die auf den nach wie vor bestehenden Gender Pay Gap innerhalb der EU verweist. Oftmals bestimmen aber auch die Herkunftsländer die Themen, für die sich die Jugendlichen interessieren. Claudias (22) zentrales Anliegen ist angesichts der schwierigen Lage in ihrem Heimatland Slowakei das Thema Pressefreiheit. Darüber möchte sie mit einem Minister sprechen, wenn sie kann, und die EU „um Hilfe bitten“.

Gute Jobchancen stehen bei vielen Jugendlichen aus Südeuropa ganz oben auf der Liste der Prioritäten. Nach langem Nachdenken findet auch Frederic kein wichtigeres Ziel. „Bei vielen anderen Zielen ist es sehr gut, wenn man sie erreicht. Aber bei Arbeit geht es um eine Notwendigkeit.“ In Belgien habe man 16 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, in vielen anderen EU-Staaten sei es noch schlimmer. Es gehe aber auch um die Qualität der Arbeit. „Junge Leute brauchen hochwertige Arbeitsplätze, nicht irgendwelche Drecksjobs mit hoher Unsicherheit.“

Nicht immer zeigen sich die Jugendvertreter zufrieden mit der bisherigen Jugendpolitik innerhalb der Union. Für Frederic etwa suchen die EU-Jugendminister viel zu spät den Dialog mit den Jungen. Dabei habe die hohe Beteiligung am Strukturierten Dialog gezeigt, wie sehr junge Menschen Änderungen herbeiführen wollten. Auch die konkreten Projekte der EU finden manche nicht immer gut durchdacht - ein Beispiel dafür ist das EU-Reiseprogramm „DisoverEU“, das 18-Jährigen EU-Bürgern kostenlos Interrail-Tickets zur Verfügung stellen soll, und bei den Jugendvertretern auf leise Skepsis stößt. Sie begrüße zwar das Programm an sich, sagt Lariane, 18-Jährige müsse man bei so einem Programm aber stärker bei der Hand nehmen. Frederic befürchtet hingegen, dass von dem Programm vor allem die Mittelklasse profitieren würde, und nicht sozial Schwächere.

Groß ist jedenfalls die Enttäuschung über die Absage vieler Jugendminister, die sich beim informellen Rat vertreten lassen. Das Nicht-Erscheinen sei weder „höflich“ noch „fair“, meint Claudia. Zu einem informellen Rat zu kommen sei „Teil ihres Jobs“. „Frustierend“ ist das angesichts der vielen „hoch-motivierten“ Jugendvertreter auch für Suzie. „Es ist ihre Verantwortung hierher zu kommen, dafür wurden sie gewählt“, sagt Lariane. „Sie müssen kommen. Außer sie liegen im Sterben.“