Justiz und Kriminalität

Haft nach turbulenter Beziehung

(Symbolfoto)
© TT/Thomas Böhm

Mit Drohungen und einem Kanister Benzin in der Hand wollte ein 36-Jähriger seine Beziehung retten.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Er habe die Beziehung retten wollen: Mit diesem Argument versuchte ein 36-jähriger Angeklagter am Innsbrucker Landesgericht, die schweren Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft zu entkräften. Anschuldigungen, die von Körperverletzung über gefährliche Drohung bis zur versuchten Brandstiftung reichten. Doch der 18-fach vorbestrafte Unterländer türkischer Herkunft hatte für (fast) alles eine Erklärung.

„Meine Lebensgefährtin hat mich geschupft, ich hab’ zurückgeschupft, um sie abzuwehren, dabei ist sie gegen die Wand geprallt“, schilderte der Angeklagte einen Vorfall, der sich im Dezember in der gemeinsamen Wohnung abgespielt hat. „Ich erhielt eine Ohrfeige“, erklärte hingegen die nunmehrige Ex-Freundin (27) aus Litauen: „Weil ich ihn nicht in die Wohnung gelassen habe. Er war schwer betrunken.“

Auch Drohungen gehörten offenbar zum Beziehungsalltag. „Ich töte dich. Ich schwöre beim Leben meiner Tochter, dass ich dich zur Invalidin mache“, lauteten beispielsweise Botschaften, die am Handy der 27-Jährigen als WhatsApp-Nachrichten auftauchten. „Ich schrieb das aus einer Emotion heraus. Ich wurde kurz vorher von meiner Freundin und der Polizei aus der Wohnung geworfen“, so seine Erklärung. Apropos Rauswurf – bei der Gelegenheit fuhr er sich mit dem Finger über den Kehlkopf. Pech für den 36-Jährigen, dass diese bedrohliche Geste nicht nur die Litauerin, sondern auch eine Polizistin sah. Für den Staatsanwalt eine weitere gefährliche Drohung: „Ich habe auch die Hände überkreuzt und auf mich gedeutet. Damit wollte ich sagen, dass ich tot bin, wenn ich ins Gefängnis muss“, lieferte der Angeklagte, der wegen Drogenschmuggels sechs Jahre Haft offen hat, eine etwas unglaubwürdige Erklärung.

Im Juni stand der Mann dann trotz Betretungsverbots mit acht Litern Benzin im Kanister vor der Wohnungstür der Litauerin. Anstatt zu öffnen, wählte die 27-Jährige den Notruf. Laut Anklage eine versuchte Brandstiftung, die von der Polizei vereitelt wurde. „Ich wollte Mitleid erregen und damit die Beziehung retten“, so seine Rechtfertigung. „Ein Witz, den ich schon vor zwei Jahren gemacht habe. Damals hat es funktioniert.“

Der Schöffensenat verhängte 18 Monate Haft für die gefährlichen Drohungen und die Misshandlung (Ohrfeige). Vom Vorwurf der versuchten Brandstiftung wurde der 36-Jährige freigesprochen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.