Polizei stellte bisher 39 Hubschrauber-Bergungen in Rechnung
Wien (APA) - Wer im alpinen Gelände grob fahrlässig einen Hubschrauber-Einsatz der Polizei auslöst und unverletzt geborgen wird, kann seit 2...
Wien (APA) - Wer im alpinen Gelände grob fahrlässig einen Hubschrauber-Einsatz der Polizei auslöst und unverletzt geborgen wird, kann seit 25. Mai zur Kasse gebeten werden. Seither wurden 39 Hubschrauber-Bergungen in Rechnung gestellt, sagte Werner Senn, Leiter der Flugpolizei im Innenministerium. Die Kosten von durchschnittlich 2.400 Euro wurden bisher in allen Fällen von Versicherungen getragen, berichtete Senn.
Wer eine Kreditkarte mit inkludierter Reiseversicherung hat, Mitglied in einem alpinen Verein oder Fördermitglied der Bergrettung ist, muss keine Rechnung befürchten. In diesen Fällen ist nämlich eine Bergekostenversicherung inkludiert, die Bergnot mit einschließt. „Mittlerweile gibt es auch Versicherungen, die tageweise abgeschlossen werden können“, erläuterte Senn im Gespräch mit der APA.
Die Verrechnung der Kosten durch das Innenministerium ermöglicht eine Novelle des Sicherheitspolizeigesetztes (SPG). Bis Mai wurden diese vom Steuerzahler getragen. Bei der Gesetzesänderung „ist es uns darum gegangen, dass dies nicht von der Allgemeinheit bezahlt wird, sondern Bergsteiger mit der Versicherung Vorsorge treffen“, erläuterte der Abteilungsleiter. „Natürlich soll niemand aufgrund der Kosten Angst haben, einen Notruf abzusetzen.“ Auch Alpinisten, die vorsätzlich eine falsche Notlage vortäuschen und einen Einsatz auslösen, bekommen seither eine Rechnung.
Primär ist dies jedoch der Fall, wenn Bergsteiger und Wanderer unverletzt vom Berg geholt werden. „Etwa wenn sie im Klettersteig weder vor noch zurück kommen und aus der misslichen Lage befreit werden müssen“, sagte Senn. Falsche Selbsteinschätzung, mangelnde Tourenplanung oder Nichtbeachtung der Wetterwarnungen sind die Hauptgründe für Hubschrauber-Bergungen. „Eine Flugminute kostet 53 Euro, ein Bergungseinsatz dauert durchschnittlich 30 bis 45 Minuten“, sagte Senn. Sind Alpinisten verletzt, steigt der Rettungshubschrauber auf.
Seit 25. Mai absolvierte die Flugpolizei 125 Berge-Einsätze. 39 davon wurden verrechnet, dabei wurden insgesamt 75 Personen geborgen, berichtete der Abteilungsleiter. Mit 28 die meisten in Rechnung gestellten Einsätze gab es in Tirol. Fünf waren es in Salzburg, je zwei in Kärnten und Vorarlberg und je einer in Nieder- und Oberösterreich. Die Steiermark stellte noch keinen Hubschrauber-Flug in Rechnung. Unter den Geborgenen waren „überwiegend Urlauber aus Deutschland“. „Wir prüfen im Einzelfall, ob es Anhaltspunkte gibt, dass grob fährlässig gehandelt wurde“, sagte Senn. Ein Fall war heuer auch schon dabei, wo Alpinisten im Gipfelbuch festgehalten haben, dass sie via Hubschrauber ins Tal kommen werden. „Ein aufmerksamer Bergsteiger hat das Tage später gelesen und der Leitstelle gemeldet“, berichtete Senn.
Auffällig sei jedoch, dass „die Hemmschwelle, im Handyzeitalter den Notruf zu wählen, gesunken ist“. Auch komme es vor, dass Hubschrauber-Bergungen „immer mehr zum Komfort-Transport werden“. Früher hätte oft der Stolz nicht zugelassen, Alarm zu schlagen, „auch wenn ich fix und foxi bin“. „Dazu kam vielfach die Angst vor der Rechnung, insbesondere von Alpinisten aus dem Ausland“. Senn erinnerte sich an den Fall von tschechischen Bergsteigern „vor dem Handyzeitalter“. Diese waren im Klettergebiet Fußstein Nordkante in den Zillertaler Alpen in Not geraten. Als die Polizei hinflog, hätten sie jedoch signalisiert, dass sie nicht geborgen werden wollten. Der Hüttenwirt habe am nächsten Tag jedoch wieder die Polizei alarmiert, nachdem die Alpinisten noch in der Wand und nicht weitergekommen waren. „Dann haben sie sich bergen lassen. Sie hatten kein Geld und Angst, dass der Einsatz etwas kostet“, schilderte Senn.
(S E R V I C E - Sicherheitstipps des Alpenvereins für Bergsportler http://go.apa.at/OmDFNiaU)
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