Tirol

Südtirol schießt weiter gegen den Wolf

© Südtiroler Landwirt

Sieben Schafe auf Plose gerissen. Euregio-Landesräte trugen Problem nach Brüssel.

Brixen, Bozen, Brüssel, Innsbruck –Nachdenklich blickt Michaela Prister in die Kamera, bevor sie ausholt. „Was ich am schlimmsten an dem heiklen Vieh, dem Wolf, finde, ist, dass er ein Schaf frisst, dafür aber fünf Tiere reißen muss. Anstatt dass er eines reißt, dieses frisst und fertig“, sagt die Frau, die als Hirtin auf der Schlernalm in Südtirol arbeitet und für einen Image-Film des Südtiroler Bauernbundes von ihren Erfahrungen erzählt.

Das dreieinhalb Minuten lange Video wurde gestern auf dem Youtube-Kanal des Südtiroler Landwirt, der Zeitschrift des Bauernbundes, veröffentlicht. Und ist bereits der fünfte Teil einer Serie, mit Hilfe derer die Interessenvertretung auf die Gefahren für die Almwirtschaft durch den Wolf hinweist.

Während Hirtin Prister in dem kurzen Film beklagt, dass in diesem Sommer zehn ihrer rund 230 Schafe von Wölfen getötet wurden, vermeldete die Südtiroler Tageszeitung gestern sieben weitere gerissene Schafe. Laut dem Bericht wurden die Tiere am Freitag und Samstag vergangener Woche zerfleischt auf den Weiden der Plose bei Brixen gefunden. Ob es sich wirklich um das Werk eines Wolfes handelt oder doch ein streunender Hund der Übeltäter war, steht noch nicht fest. Die Analyse von DNA-Proben steht noch aus.

Jenseits des Brenners haben jedenfalls viele schon lange genug von den wöchentlichen Meldungen über gerissene Weidetiere. Bereits im Juli ist in Südtirol deshalb ein Landesgesetz in Kraft getreten, welches es ermöglicht, Wölfe, die zum Problem werden, zu entnehmen. Erst vor Kurzem wurde ein Katalog veröffentlicht, der Maßnahmen bis hin zur Entnahme regeln soll.

Bei einem Treffen mit dem EU-Agrarkommissar Phil Hogan – bei dem vor allem EU-Fördermittel für Bauern diskutiert wurden – haben die Landwirtschaftslandesräte der Euregio am Dienstag auch die Wolfsproblematik besprochen. Gemeinsam mit seinen Kollegen habe er versucht, die Thematik auch in Brüssel auf die Agenda zu bringen, sagt LH-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP). „Vielen in Brüssel ist gar nicht klar, dass die Almwirtschaft unter dem Wolf leidet. Deshalb ist es wichtig, bei der Kommission und im Parlament Meinungsbildung zu betreiben.“ Als Überbau zu den staatlichen Regelungen müsse auch die EU endlich eine Entnahme von Problemtieren erleichtern, betont Geisler. Denn: „Bei rund 20.000 Wölfen, die in ganz Europa leben, kann keiner mehr sagen, dass die Tiere vom Aussterben bedroht sind.“ (bfk, TT)