Biathlon: Richtungsweisende Tage für Weltverband IBU in Porec
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~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA250 vom 05.09.2018 muss es im letzten Satz „als Renndirektor“ ersatzlos gestrichen werden. --------------------------------------------------------------------- ~ Porec (APA/dpa) - Beim Kongress des Weltverbandes IBU diese Woche mit der Wahl des neuen Präsidenten am Freitag geht es um die Zukunft des ins Zwielicht geratenen Biathlon-Sports. Gesucht wird ein Nachfolger für den Norweger Anders Besseberg, der 25 Jahre im Amt war. Auch mit seiner Hilfe wurde Biathlon zu einem Top-Wintersport mit Millionenpublikum. Zuletzt sorgte der 72-Jährige aber für Negativschlagzeilen.
Besseberg soll Mitschuld an einem der größten Korruptions- und Dopingskandale im Biathlon tragen. Den notwendigen und radikalen Neuanfang wollen die Lettin Baiba Broka oder der Schwede Olle Dahlin einleiten. Sie sind die Kandidaten, die sich zur Präsidentenwahl stellen. Beide haben in ihren Wahlprogrammen Transparenz und einen harten Anti-Dopingkampf angekündigt.
Laut dem deutschen Ex-Weltmeister Erik Lesser ist beides unerlässlich. „Wenn im Biathlon Radsport-Verhältnisse einkehren, wo alle über einen Kamm geschert werden und ein genereller Dopingverdacht besteht, das wäre der Super-GAU“, erklärte der 30-jährige Olympia-Zweite von Sotschi 2014.
Doch schon vor der Wahl rumorte es wieder. Denn Dahlin soll gegen seine Mitbewerberin, der bisher nur Außenseiterchancen zugestanden wurden, Politik machen. Unlauterer Wettbewerb mit Unterstellungen und Behauptungen? Ein vielversprechender Neuanfang sieht wohl anders aus.
„Es ist bedauerlich, dass ein so erfahrener, respektabler und intelligenter Gentleman wie Dahlin meiner Meinung nach tiefliegende und schmutzige Methoden gewählt hat“, sagte Broka. Dahlin soll in Interviews neben anderen Verdächtigungen gesagt haben, dass der russische Verband massiv Lobbyarbeit für die 42-Jährige leistete.
„Das Verbreiten von Gerüchten und Behauptungen, die nicht verifiziert oder bewiesen werden können, sind nicht der Stil, den ich für einen fairen Wahlkampf angemessen halte“, betonte Broka. Sie wisse nicht einmal, wie der neue russische Verbandspräsident aussehe und habe auch noch nie mit ihm gesprochen.
Kurz vor dem IBU-Kongress, bei dem ÖSV-Geschäftsführer Klaus Leistner auf seine Wiederwahl als IBU-Vizepräsident hofft, wurden neben den Olympiasiegern Jewgeni Ustjugow und Swetlana Slepzowa noch zwei weitere Russen wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln zu Stellungnahmen aufgefordert. Vorher sollen unter Besseberg neben Bestechungsgeldern für die WM-Vergabe ans russische Tjumen 2016 auch russische Dopingsünder gedeckt und 65 Doping-Proben vertuscht worden sein. Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft - die IBU hat ihren Sitz in Salzburg - ermittelt gegen zwölf Personen, gegen zwei, darunter Besseberg, wegen Korruptionsvorwürfen. Der Norweger bestreitet jedoch alle Vorwürfe.
Dahlin tut das mit den Anschuldigungen Brokas. „Ich kommentiere keine Gerüchte. Man kann in meiner Karriere nachschauen und sieht, dass ich eine saubere Erfolgsbilanz habe und immer auf eine ethisch korrekte Art und Weise gearbeitet habe“, sagte der Schwede.
Der 63-Jährige ist seit vier Jahren IBU-Vizepräsident, arbeitete mit Besseberg im Führungsgremium zusammen. Dass er nichts von den kolportierten Vorwürfen gegen den Norweger, die neben bezahlten Jagdausflügen, Bestechungsgeldern bis hin zum Buchen von Escort-Damen reichen, mitbekommen hat, scheint zumindest zweifelhaft. Er selbst sei von den Enthüllungen „geschockt“ gewesen. Als Aufklärer und Reformer trat er bisher aber nicht in Erscheinung.
Broka saß die vergangenen vier Jahre im IBU-Rechtsausschuss. Auch der früheren lettischen Justizministerin dürften zumindest Gerüchte über Bessebergs Agieren in der immer propagierten „Biathlon-Familie“ nicht entgangen sein. Für sie stellt sich die „große Frage, ob die amtierenden Präsidiumsmitglieder in ihren Zuständigkeitsbereichen ihre Pflichten ordnungsgemäß erfüllt haben. Es besteht kein Zweifel, dass für einen Wandel ein moderner Ansatz erforderlich ist.“
Negativ legen ihr einige ihre politische Zugehörigkeit zur angeblich rechtspopulistischen Partei Nationale Allianz aus. Laut Broka habe ihre konservative Partei keine solche Tendenzen. Sie stehe vielmehr für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der EU-Mitgliedsstaaten.
Broka oder Dahlin? Am Freitag wählen 56 stimmberechtigte Mitgliedsverbände eine neue IBU-Spitze, darunter auch nicht gerade als Biathlon-Nationen bekannte Länder wie Brasilien, Indien oder die Mongolei. Auf der langen Kandidatenliste scheint neben Leistner noch ein weiterer Österreicher auf: Franz Berger möchte weiter dem zehnköpfigen Technischen Komitee des Weltverbandes angehören.
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