Militärsymphonie und Doppelrohrpanzer: „Herbstgold“-Festival eröffnet
Eisenstadt (APA) - Vor dem Schloss ein Doppelrohrpanzer und drinnen die „Militärsymphonie“ von Joseph Haydn: Soldatisch empfing das zweite „...
Eisenstadt (APA) - Vor dem Schloss ein Doppelrohrpanzer und drinnen die „Militärsymphonie“ von Joseph Haydn: Soldatisch empfing das zweite „Herbstgold“-Festival in Eisenstadt beim gestrigen Auftakt seine Gäste. Schließlich lautet das heurige Motto „Krieg und Frieden“. Das Eröffnungskonzert bestritt Nicolas Altstaedt mit der Haydn Philharmonie. Bis 16. September wird auch Jazz, Balkan-Sound und Kulinarik geboten.
Manche könnten das Thema „Krieg und Frieden“ wohl fälschlich auf die Beziehungen zwischen der Stiftung Esterhazy und dem Land Burgenland interpretieren, scherzte Kultur-Landesrat Hans Peter Doskozil (SPÖ) in seinen Eröffnungsworten und versicherte, dabei nun einen 100-jährigen Frieden anzustreben. Auch Nicolas Altstaedt gab sich am Pult der von ihm geleiteten Haydn Philharmonie überaus friedlich. Er betonte in Haydns Sinfonie G-Dur Hob. I:100, die einst den Beinamen „Militärsymphonie“ erhielt, das fröhlich Beschwingte und nicht das Martialische. Hier wurde ab-, nicht aufgerüstet.
Mit großer Leidenschaft versenkte sich Altstaedt dagegen nach der Pause als Solist in das Cellokonzert von Edward Elgar, das, 1919 fertiggestellt, als Totenklage und Erinnerung an das Leiden, das der Erste Weltkrieg über die Menschen gebracht hat, gilt. Hingebungsvoll musizierte Trauermusik, die an Intensität auch die abschließende Fünfte Symphonie Beethovens in den Schatten stellte. Hier setzte der deutsch-französische Musiker, der auch das Kammermusikfest Lockenhaus leitet, vor allem darauf, das Effektvolle dieses einzigartigen Werks zu betonen - ein etwas konventioneller, doch wirkungsvoller Ansatz.
Im Innenhof von Schloss Esterhazy konnte man angesichts vier schräg stehender, beschrifteter Verhandlungstische des Künstlers Marcus Geiger danach gleich seine Wahl treffen: „Ja Nein Ja Nein“. So nennt der Schweizer seinen Werkkomplex, zu dem auch jener aus rot lackiertem Holz gefertigte und in seiner demonstrativen Einfachheit an Kinderspielzeug erinnernde Panzer gehört, der auf dem Vorplatz aufgestellt wurde. Mit seinen zwei vom Geschützturm in beide Richtung weisenden Rohren soll er symbolisieren: Jeder Schuss geht zugleich auch nach hinten los.
Kurator Vitus Weh hat das Festival aber noch mit weiteren Kunstprojekten bereichert: Auf der Feststiege des Schlosses sind eine Video-Installation von Marko Lulic und Keramiken von Mira Makai zu sehen, am Samstag wird der neu gegründete „Kunstverein Eisenstadt“ im alten Klostergebäude der Haydngasse 1 eröffnet. Dieser soll ganzjährig die burgenländische Landeshauptstadt beleben. Die bis 4. November laufende Eröffnungsausstellung heißt „Einbau Kunstverein“. Marcus Geiger will dabei auf seine Schloss-Installationen Bezug nehmen: „Ich skizziere die optimale Einrichtung eines Raumes für Kunst: Licht, Wände, Böden, Möbel und inauguriere dieses ambitionierte Vorhaben mit einer kleinen Werkschau meiner Interieur-Objekte aus den Jahren 1985-2018.“
Das „Herbstgold“-Festival, das bei seiner Premiere im Vorjahr 7.500 Besucher erreichte, bietet bereits heute, Donnerstag, mit Rebekka Bakken einen weiteren Höhepunkt. Schließlich bietet das von Andreas Richter zusammengestellte Programm nicht nur Klavierabende, Kammer- und Orchesterkonzerte, die halbszenisch dargebotene Haydn-Oper „Armida“ (14.9.) und literarisch-musikalische Begegnungen (Konstanze Breitebner liest am 12.9. Auszüge aus „Krieg und Frieden“), sondern auch Jazz, Balkan- und Roma-Sounds, Diskussionsrunden sowie am kommenden Wochenende ein „Pan O‘Gusto“ genanntes Genuss-Event in der Orangerie des Schlossparks, das als „kulinarische Entdeckungsreise durch den pannonischen Raum“ angekündigt ist.
Im kommenden Jahr soll das „Herbstgold“-Festival von 11. bis 22. September 2019 an den Fall des „Eisernen Vorhangs“ vor 30 Jahren erinnern und sich mit dem Thema „Grenzen“ beschäftigen. Das genaue Programm liegt bereits vor.
(S E R V I C E - Herbstgold Festival Eisenstadt, bis 16. September, www.herbstgold.at; Kunstverein Eisenstadt, Haydngasse 1. Eröffnung: Samstag, 8. September, 18 Uhr Ausstellung „Einbau Kunstverein“: 9.9. bis 4.11., Freitag 14-19 Uhr, Samstag 11-15 Uhr, Sonntag 13-17 Uhr, www.herbstgold.co/kunstinstallation)
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