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„Die brillante Mademoiselle Neïla“: Bekehrung eines Rassisten

© Constantin

In „Die brillante Mademoiselle Neïla“ wehrt sich eine Studentin aus der Vorstadt gegen Vorurteile.

Innsbruck –Vielleicht werden in den Pariser Vorstädten in der Silvesternacht die Autos auf den Straßen angezündet, weil sich die Leute keine Raketen leisten können. Es ist auf jeden Fall ein soziales Statement, das Neïla Salah (Camélia Jordana) durch ihr Zuspätkommen in den großen Hörsaal des Pantheon-Assas bringt und den Rechtsgelehrten Pierre Mazard (Daniel Auteuil) zu rassistischen und sexistischen Tiraden verführt, als befände sich Frankreich noch in den Kolonialkriegen. Damals gab es zumindest keine Smartphones, die Mazard auch zutiefst verachtet. Aber das Malheur ist passiert, die Videos der Entgleisung verbreiten sich innerhalb von Sekunden in den sozialen Medien. Für die Universitätsleitung, die ohnehin unter dem Mief der prominentesten Absolventen (Jean-Marie und Marine Le Pen) leidet, gibt es nur einen Ausweg: Mazard muss die Studentin durch den nationalen Rhetorik-Wettbewerb begleiten, eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Die junge Frau aus den Banlieues kann sich beweisen. Verliert sie, hat sie es nicht besser verdient, gewinnt sie, fallen Ruhm und Glanz auf die Uni, die den Anschluss an die Eliteschulen herbeisehnt.

Mitte der 1980er-Jahre gründete der mit seinen Politthrillern („Z“) berühmt gewordene Regisseur Costas-Gavras eine Produktionsfirma, die sich vor allem um die Förderung von Filmen arabisch-stämmiger Autoren und Regisseure kümmerte. Bereits mit dem ersten Film, Mehdi Charefs „Tee im Harem des Archimedes“, landeten sie einen Kassenschlager, Charef gewann 1986 den César für das Beste Debüt, das vom Leben in den Vorstädten um Paris erzählte. In einer Szene sollen die jugendlichen Helden einen „Dubuffet“ stehlen, doch die Einbrecher klauen nicht das Bild, sondern schleppen den massiven Buffetschrank auf die Straße. Charefs Tragikomödie begründete das Genre der französischen Culture-Clash-Komödien, die zuletzt allerdings nur noch auf die Bedienung von Vorurteilen oder auf mehrheitsfähige Lacher aus waren.

Unter Mazards Anleitung lernt Neïla die Sprache des Feindes, die mit einer leichten Redeübung („Kleider machen Leute“) und entsprechenden Folgen beginnt. Die Studentin tauscht ihren Kampfanzug gegen ein Businesskostüm und erntet dafür Häme bei den Freunden im Block.

Drastischer fallen die Veränderungen nach der Lektüre von Arthur Schopenhauers „Die 38 Kunstgriffe der eristischen Dialektik“ aus. Alles soll im Streitgespräch erlaubt sein: persönliche Diffamierungen und erfundene Tatsachen, da es nicht um die Wahrheit geht, „sondern die Kunst, Recht zu behalten“. Bei aller Faszination für NLP und Crash-Rhetorik triumphiert auch in Yvan Attals „Die brillante Mademoiselle Neïla“ am Ende die Konvention von „My Fair Lady“. Das Mädchen aus der Vorstadt nimmt von der Macht nur eine Kostprobe, der Rassismus ihres einsamen Lehrmeisters war nur ein Schutzmantel. (p. a.)

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