Barfuß im Belvedere21: „Happiness Runs“ von Polly Apfelbaum
Wien (APA) - Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig hat sich einen Traum erfüllt: Im Belvedere21 hat sie die Einbauten von Adolf Krischan...
Wien (APA) - Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig hat sich einen Traum erfüllt: Im Belvedere21 hat sie die Einbauten von Adolf Krischanitz, der für den Umbau im Zuge der Wiedereröffnung im Jahr 2011 verantwortlich zeichnete, entfernen lassen. Rollig freut sich darauf, „diesen Raum wieder offen zu sehen und mit ihm zu arbeiten“. Als erste Künstlerin spielt Polly Apfelbaum mit der neuen Weite.
Mit der am heutigen Donnerstagabend eröffnenden Schau „Happiness Runs“ werde dem ursprünglichen Architekten Karl Schwanzer „die Ehre erwiesen, den Raum so zu nützen, wie er als Museum gemeint war“, so Rollig. Konkret heißt das, dass man im ersten Stock nunmehr völlig auf Zwischenwände verzichtet, auch der Blick in das Erdgeschoß ist wieder offen und reicht durch die unverhüllten Glasfenster bis in den Garten hinaus, sodass die Pavillon-Struktur wieder besser zutage tritt.
Die US-Künstlerin Apfelbaum zeigt passend dazu sechs Arbeiten, die den Besucher im übertragenen Sinn schweben lassen: Riesige Teppiche sind auf dem Linoleumboden ausgebreitet, Betreten ist ausdrücklich erwünscht, wozu die Besucher ausnahmslos ihre Schuhe ausziehen müssen. Wahlweise in Socken oder extra designten Stoffpantoffeln kann man so über die in Mexiko gewebten Teppiche wandeln, sich niederlassen und „das Licht und die Architektur absorbieren“, so Apfelbaum, die darauf Wert legt, dass nicht nur ihre Werke, sondern auch der Raum erkundet werden soll.
Für Rollig verfüge der Bau des späten Modernismus mit seinen Gittern und harten Materialien über eine „männliche Formensprache“, während Teppiche „mit Häuslichkeit und Weiblichkeit konnotiert sind. Aber glücklicherweise hören sich Geschlechterzuweisungen von Materialien ja auch auf“, so die Generaldirektorin. „Happiness Runs“ schlage auch den Bogen zum Jahresmotto „Spirit of ‚68“: So weckten Apfelbaums Teppich-Arbeiten nicht nur Erinnerungen an Pop Art, Minimalismus und zur Musik von damals, der Ausstellungstitel selbst sei dezidiert ein Zitat eines gleichnamigen Songs von Donovan, der 1969 veröffentlicht wurde.
Die Arbeiten selbst, die aus den Jahren 2012 bis 2017 stammen, tragen Titel wie „Evergreen Blueshoes“, „The Potential of Women“ oder „Rainbow Nirvana Houndstooth“. Während es sich bei „Rainbow“ um zwei nebeneinanderliegende Teppiche in Regenbogenfarben handelt, bilden 17 einzelne, unterschiedlich lange Teppiche die Arbeit „Deep Purple, Red Shoes“. Die auseinanderstrebenden Fußabdrücke sind erst zu sehen, wenn man als Besucher ein paar Schritte zurücktritt und die Installation als Ganzes betrachtet.
„Face (Geometry) (Naked) Eyes“ ist die einzige Arbeit, die über den Teppich hinausgeht: In der Mitte wurden unzählige handgefertigte Keramikperlen von der Decke abgehängt, die beim Durchschreiten der Schnüre die Perspektive verändern. „Die Künstlerin reduziert die Distanz zwischen Kunst und Betrachterinnen und Betrachtern auf ein Minimum und ermöglicht somit ein unmittelbares Eintauchen in die gewebten Farbfelder“, heißt es dazu im Katalog.
Anlässlich der Ausstellung ist nicht nur der bibliophile Katalog erschienen, es gibt auch eine limitierte Edition namens „A Potential“ zu kaufen: Die bunt bemalte Email-Platte greift dabei das Motiv von Apfelbaums 2017 entstandener Arbeit „The Potential of Women“ auf und zeigt die Frontalansicht eines abstrahierten weiblichen Kopfs mit Bobfrisur. Die Edition ist in einer Auflage von 25 Stück erschienen, ein Werk kostet 990 Euro.
(S E R V I C E - „Polly Apfelbaum. Happiness Runs“ im Belvedere21, 7. September bis 13. Jänner 2019. Katalog, hrsg. von Stella Rollig, Verlag moderne Kunst, 176 Seiten, 29 Euro. Infos unter www.belvedere.at)
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