Entscheidung über Auslieferung von Ex-Agrokor-Chef verzögert sich

Zagreb/London (APA) - Der nach Großbritannien geflüchtete Gründer des kroatischen Konzerns Agrokor, Ivica Todoric, hat es geschafft die Ents...

Zagreb/London (APA) - Der nach Großbritannien geflüchtete Gründer des kroatischen Konzerns Agrokor, Ivica Todoric, hat es geschafft die Entscheidung über seine Auslieferung nach Kroatien um einen weiteren Monat hinauszuschieben, berichteten kroatische Medien. Dafür heuerte er britische Staranwälte an, darunter Cherie Blair, Ehefrau des britischen Ex-Premiers Tony Blair.

Bei einer Anhörung vor dem High Court in London am Donnerstag, die vor der endgültigen Entscheidung über die Auslieferung stattfinden sollte, ließ sich Todoric von einem neuen Verteidigungsteam vertreten. Zu seinem Team gehört auch James Hines, zu dessen Klienten u.a. der italienische Ex-Premier Silvio Berlusconi gehörte.

Bereits Ende Juli lehnte das Höchstgericht eine Beschwerde des Ex-Agrokor-Chefs gegen die Entscheidung eines Gerichts in erster Instanz, das die Auslieferung erlaubt hatte, ab. Danach bat Todoric das Gericht, noch einmal angehört zu werden.

Sein Anwalt Hines bat jedoch um einen Aufschub für 28 Tage, um sich mit der Sache vertraut zu machen, mit dem Argument, er sei erst 48 Stunden zuvor angeheuert worden. Der Richter hat ihm das gewährt, so die Medien. Die britische Anwältin, die in der Sache den kroatischen Staat vertritt, kritisierte Berichten zufolge den Wechsel des Anwälte-Teams als ein Manöver der Verteidigung und plädierte dafür, dass die Entscheidung bereits heute getroffen wird.

Die neue Anhörung ist laut kroatischen Medienberichten für den 15. Oktober geplant. Der Richter machte klar, dass er ein neues Beschwerdeverfahren nur dann erlauben wird, wenn die Verteidigung neue Beweise vorlegen wird, berichtete das Fernsehsender N1. Die Beschwerde basiere auf der Grundlage, dass es sich um eine politische Verfolgung von Todoric handle, so der Anwalt. „Wir glauben, dass hochrangige Politiker in Kroatien die Ermittlungen beeinflussen“, so Hines.

Todoric versuchte schon bisher seine Auslieferung an Kroatien mit der Behauptung einer politischen Verfolgung zu verhindern. Das Gericht in erster Instanz, das einer Auslieferung zustimmte, zeigte sich aber zuversichtlich, dass er in Kroatien einen fairen Prozess bekommen werde, berichteten die Medien.

In Kroatien droht dem Ex-Agrokor-Chef zusammen mit 14 weiteren früheren Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder ein Prozess wegen Untreue und Bilanzfälschung. Nachdem der angeschlagene Großkonzern vor einem Jahr unter staatliche Kuratel kam, um ihn vor einem drohenden Konkurs zu retten, wurden massive Unregelmäßigkeiten in der Buchführung aufgedeckt. Todoric und auch seine zwei Söhne werden in der Affäre beschuldigt, mindestens 130 Mio. Euro von Agrokor auf Privatkonten umgeleitet zu haben.

Der 67-jährige Geschäftsmann setzte sich zum Ausbruch der Affäre nach London ab und stellte sich im November 2017 der Polizei in London, nachdem er mit europäischem Haftbefehl gesucht wurde. Er wurde jedoch gegen Kaution freigelassen und kann auf das Ende des Auslieferungsverfahrens auf freiem Fuß warten.