Hilfsorganisation ruft zum Schutz von Kindern in Idlib auf
Idlib (APA/dpa/AFP) - Angesichts des erwarteten Angriffs der syrischen Armee auf das letzte größere Rebellengebiet des Landes hat Save the C...
Idlib (APA/dpa/AFP) - Angesichts des erwarteten Angriffs der syrischen Armee auf das letzte größere Rebellengebiet des Landes hat Save the Children dringend zum Schutz von Kindern aufgerufen. Schulen, medizinische Einrichtungen und andere zivil genutzte Orte dürfen unter keinen Umständen zur Zielscheibe von Angriffen werden, erklärte die Kinderschutzorganisation am Donnerstag.
Die Organisation äußerte sich vor dem Treffen der Präsidenten des Iran, Russlands und der Türkei in Teheran an diesem Freitag. Russland und der Iran unterstützen das Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Die Türkei ist Schutzmacht der Opposition und will eine Offensive verhindern, weil sie Hunderttausende neuer Flüchtlinge an ihrer Südgrenze befürchtet.
In der Region Idlib leben etwa drei Millionen Zivilisten. Im Fall einer militärischen Offensive würden auch Hunderttausende Kinder in Lebensgefahr geraten, warnte Save the Children. Humanitäre Organisationen hätten schon jetzt Mühe, die Menschen mit lebensnotwendiger Hilfe zu versorgen. „Wir sind sehr besorgt über das Schicksal der Kinder von Idlib. Eine militärische Offensive in dieser Region könnte schreckliche Auswirkungen für Hunderttausende Kinder haben. Unzählige haben bereits traumatisierende Fluchterfahrungen“, erklärte Susanna Krüger, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland.
Der türkische Regierung hat die „syrischen Brüder und Schwestern“ lange mit offenen Armen empfangen, doch seit 2015 ist die Grenze zu dem Bürgerkriegsland dicht. Mit 3,5 Millionen Syrern im Land sieht Ankara die Belastungsgrenze erreicht, und in der Bevölkerung wächst der Unmut über die syrischen Gäste. Eine Offensive der syrischen Regierung auf die Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten könnte jedoch erneut hunderttausende Menschen in die Flucht treiben, weshalb Ankara hektisch versucht, eine Lösung zu finden.
„Aus türkischer Sicht ist ein weiterer Zustrom von Flüchtlingen extrem problematisch“, sagt der Syrienexperte Heiko Wimmen von der International Crisis Group. „Besonders weil bei einer Öffnung der Grenze kaum zu verhindern wäre, dass mit den Flüchtlingen tausende von Jihadisten einsickern.“ Ein Großteil der syrischen Region Idlib wird schließlich von Hayat Tahrir al-Sham (HTS) kontrolliert, deren Kern frühere Al-Kaida-Kämpfer sind.
Die türkische Regierung ist seit Wochen in intensiven Verhandlungen, um eine Offensive der syrischen Regierungstruppen noch abzuwenden. Ein Angriff auf Idlib könnte 800.000 Menschen zur Flucht zwingen, erste Familien flohen bereits. Da Idlib die letzte Rebellenbastion in Syrien ist, gibt es kein Gebiet, wohin die zehntausenden Kämpfer ausweichen könnten. Es wird daher mit besonders erbitterten Gefechten gerechnet.
Eine begrenzte Fluchtbewegung ins von türkischen Truppen besetzte Afrin wäre laut Syrienexperte Galip Dalay von Alsharq Forum für die Türkei akzeptabel, doch eine große Zahl von Flüchtlingen würde die Region destabilisieren. Wenn es in Idlib zu einer humanitären Katastrophe komme, werde Ankara kaum umhin kommen, die Grenze zu öffnen, sagt er. Gilt die Türkei doch schon lange als die Schutzmacht der Rebellen in Idlib. Im Fall eines massiven Anstiegs der Flüchtlingszahl würde die Türkei sicher zusätzliche Unterstützung der Europäer fordern oder sogar die Grenzen öffnen.
„Auch andere europäische Länder könnten das Ziel dieser Zuwanderung sein“, warnte bereits der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu beim Besuch seines deutschen Kollegen Heiko Maas am Mittwoch in der Türkei. Wimmen mahnt, dass im Fall eines großen Flüchtlingsandrangs ohne „schnelle und vorbehaltlose Hilfe“ der Europäer die Türkei nicht mehr willens oder in der Lage sein könnte, die Flüchtlinge von der Weiterreise in die EU abzuhalten.
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