Schweden ist seit Jahrzehnten Einwanderungsland
Stockholm (APA/AFP) - Schweden ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Einwanderungsland geworden. Während zwischen 1850 und 1920 noch etwa 1...
Stockholm (APA/AFP) - Schweden ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Einwanderungsland geworden. Während zwischen 1850 und 1920 noch etwa 1,5 Millionen Menschen aus Furcht vor Hunger und Not das Land verließen, gibt Schweden heute Hunderttausenden Menschen eine neue Heimat, die aus wirtschaftlicher Not oder vor politischer und ethnischer Verfolgung flüchten mussten.
Im Zweiten Weltkrieg verfolgte Schweden noch eine restriktive Politik: Das skandinavische Land blieb neutral, nahm lediglich 3.000 der 300.000 aus Deutschland geflüchteten Juden auf und machte es „Ariern“ zeitweise leichter, ins Land zu kommen.
Das änderte sich mit den „goldenen Jahrzehnten“ von 1950 bis 1980, zahlreiche ausländische Arbeitskräfte sicherten den industriellen Aufschwung des Landes. Finnen, Italiener, Griechen, Spanier und Jugoslawen kamen nach Schweden, um in Bergwerken, Stahlhütten und der Textilwirtschaft zu arbeiten.
In den 70er Jahren wurde Schweden für Flüchtlinge aus den Diktaturen in Vietnam und Südamerika ebenso wie für christliche Minderheiten aus dem Nahen Osten ein „sicherer Hafen“. In den 80er Jahren hieß das Land Iraner, Libanesen, Polen und Kurden willkommen.
Debatten über die hohe Zahl von Zuwanderern kamen in Schweden das erste Mal auf, als zwischen 1991 und 1995 rund 125.000 Flüchtlinge aus dem früheren Jugoslawien eintrafen. Im August 2014 appellierte der frühere Regierungschef Fredrik Reinfeldt an seine Landsleute, „ihre Herzen zu öffnen“ - für Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.
Ein Jahr später, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, griff sein Nachfolger, der Sozialdemokrat Stefan Löfven, die Idee auf: „Mein Europa baut keine Grenzen, wir strecken die Hand aus, wenn die Situation es verlangt“, sagt er im September 2015. Mehr als 160.000 Asylsuchende kamen in jenem Jahr nach Schweden - die höchste Zahl pro Einwohner unter den europäischen Ländern.
Zwischen 2012 und 2017 gingen bei der schwedischen Einwanderungsbehörde rund 400.000 Asylanträge ein, mehr als ein Drittel davon von Syrern. Im selben Zeitraum wurde mehr als 226.000 Anträgen stattgegeben. 2017 lebten in Schweden 1,9 Millionen Menschen, die in einem anderen Land geboren wurden. Das entspricht 18,5 Prozent der Bevölkerung.
Die hohe Zahl an Flüchtlingen scheint die Behörden allerdings teilweise auch zu überfordern: Tausende Flüchtlinge wurden in überfüllten Turnhallen untergebracht, wütende Anrainer setzten Aufnahmezentren in Brand. Die Großstädte werden Schauplatz von Schießereien, weil sich rivalisierende Banden bekriegen.
Die Einwanderungspolitik war ein großes Thema im Wahlkampf; bei der Parlamentswahl am Sonntag steht Schweden ein deutlicher Rechtsruck bevor. Ministerpräsident Löfven hat für den Fall seiner Wiederwahl eine Einwanderpolitik versprochen, welche den Zuzug „langfristig“ eindämmt „und die den Rückhalt der schwedischen Bevölkerung hat“.
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